Was bedeutet eine Depression für Betroffene und Angehörige? Einen Einblick darin gibt es in “Dunkelleuchten – Depressionen verstehen in Bildern” von Lisa Pommerening. Das Buch entstand im Rahmen einer Bachelorarbeit für Grafikdesign und Visuelle Kommunikation und wurde in der Reihe “BALANCE ratgeber” vom Psychiatrie Verlag veröffentlicht. Die Autorin hat dafür Menschen in der Klinik sowie in Selbsthilfe- und Angehörigengruppen interviewt. Beraten wurde sie von der Psychotherapeutin Carola Claus und Julia Paar von der Jungen Selbsthilfe des BApK e.V.
Zunächst räumt das Buch mit Vorurteilen auf und klärt, was Depression nicht ist. Die folgenden Fakten verdeutlichen, dass es sich um eine ernstzunehmende psychische Erkrankung mit unterschiedlichen, individuellen Ursachen und Symptomen handelt. Suizidgedanken können ein Teil davon sein. Kurzfristige Niedergeschlagenheit, die jeder manchmal erlebt, wird von langfristigen depressiven Verstimmungen abgegrenzt, die eine Depression kennzeichnen und massive Einschränkungen im Alltag bewirken.
Die Vielseitigkeit dieser Krankheit wird anhand von fünf Beispielen Betroffener gezeigt, die ihre Sicht und ihr Leben mit Depressionen schildern. Die Autorin setzt die sehr bildlichen Formulierungen grafisch in schwarz, weiß und Graustufen um. So wird die Ohnmacht durch die Dunkelheit der Depression für die Leser erfahrbar.
Den Weg der Betroffenen aus der Dunkelheit heraus ins Licht beschreiben die nächsten Seiten. Depressionen sind behandelbar. Möglichkeiten des Umgangs werden dargestellt, sowohl für Betroffene als auch für Angehörige. Denn auch diese können durch die Krankheit belastet sein. Hilfsangebote werden vorgestellt und konkrete Ansprechpartner genannt. Am Ende wird auf weiterführende Literatur hingewiesen.
Die besondere Gestaltung von “Dunkelleuchten” macht sowohl die Fakten als auch die persönlichen Geschichten lebendig und berührt. Eine häufig unsichtbare Erkrankung erhält dadurch Sichtbarkeit. Das Buch verdeutlicht die Schwere, die mit einer Depression einhergeht und vermittelt gleichzeitig Hoffnung, dass es einen Ausweg gibt. Die 77 Seiten vermitteln einen kompakten Eindruck zur Aufklärung und Entstigmatisierung dieser weit verbreiteten seelischen Krankheit.
Vor zwei Jahren wäre ich sehr froh über ein solches Buch gewesen, als ich selbst in der Rolle einer Angehörigen steckte, die die Auswirkungen von Depressionen im Alltag ihres damaligen Partners miterlebt hat. Ich bin sicher, dass dieses professionell und liebevoll gestaltete Kunstwerk dazu anregt, Verständnis für Menschen zu entwickeln, die von Depression betroffen sind. Als Einstieg in das Thema halte ich es daher für alle geeignet, die damit als Betroffene, Angehörige und Professionelle konfrontiert sind. Und wenn wir die Augen öffnen, merken wir: dazu gehören wir alle. Denn wie es in “Dunkelleuchten” klar wird: Depressionen können wir den Betroffenen und ihrem Umfeld nicht immer ansehen. Deshalb sollten wir genau hinschauen und uns informieren.
“Lesen, zuhören, reflektieren. So gelingt es besser, sich auf Augenhöhe zu begegnen und gemeinsam gegen dieses dunkle Wesen namens Depression zu kämpfen!”
Ich fühle, also bin ich.
Als Angehörige von Menschen mit psychischer Belastung möchte ich Mut machen, sich zu öffnen. Ich übe es selbst seit einiger Zeit. Meine Gefühle, Bedürfnisse und Wunden zu zeigen, schafft echte Verbundenheit.
Gern verbinde ich meine Leidenschaft fürs Schreiben mit meinem persönlichen und beruflichen Interesse an seelischer Gesundheit und Selbstfürsorge, um diese Themen mehr in den Fokus zu rücken. Mir ist es wichtig, dass sich die Menschen gesehen und verstanden fühlen.
Während ich durch das Schreiben Ruhe finde, gibt Musik mir Energie und Motivation. Beides hilft mir dabei loszulassen und den kleinen und großen Herausforderungen im Leben zu begegnen.