In dem autobiografischen Buch “Sag, die blauen Flecke kommen vom Spielen – Wie der Alkoholismus meiner Mutter meine Kindheit zerstörte” erzählt Betty Taube von ihrer Kindheit und Jugend, die stark von der Suchterkrankung ihrer Mutter geprägt waren. Die Autorin wurde durch die 9. Staffel von Germany’s Next Topmodel bekannt und arbeitet seitdem als erfolgreiches Model und Influencerin.
Zum Inhalt
In Deutschland leben rund 2,65 Millionen Kinder in einer suchtbelasteten Familie. Betty Taube war eine davon. Ihr Zuhause war von Gewalt, Scham und Unsicherheit geprägt und führte sie als letzten Ausweg bis ins Kinderheim. Typische Verhaltensmuster aus Suchtfamilien werden in ihrer Geschichte deutlich: Anpassen, Funktionieren, früh erwachsen werden, Verantwortung übernehmen, die ein Kind nicht übernehmen sollte. Bettys Erzählungen machen vor allem deutlich, was für eine Gratwanderung zwischen Liebe und Überforderung sowie zwischen Hoffnung und Enttäuschung in solch einer Situation besteht.
Zwischendurch stehen in dem Buch immer wieder Infokästen, in denen Begriffe oder Mechanismen psychologisch erklärt werden. Am Ende gibt es auch noch ein Interview mit Corinna Oswald von der NACOA, der Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien, sowie mit einer suchtkranken Mutter.
Meine Meinung
“Für all diejenigen, die selber noch nicht laut sein können” – Diese Widmung hat mich beim Aufschlagen des Buches direkt berührt. Sie verdeutlicht, dass nicht alle offen über ihre Erfahrungen sprechen können. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen wie Betty gibt, die ihre Geschichte teilen, um zu zeigen: Du bist nicht allein – und du darfst darüber sprechen.
Ich fand es sehr bewegend, Bettys Geschichte zu lesen. Gerade durch die schönen Momente mit ihrer Mutter haben sich die schlimmen Momente noch schlimmer angefühlt. Das Buch ist sehr offen, ehrlich und liebevoll, auch gegenüber ihrer Mutter, verfasst. Bettys Weg ist sehr berührend und beeindruckend. Generell ist es einfach toll, dass es ein Buch über dieses Thema gibt, um Kindern aus Suchtfamilien Sichtbarkeit zu geben.
Persönliches
Ich war mir erst unsicher, ob ich das Buch lesen möchte oder nicht. Ich hatte Sorge, was für Erinnerungen und Gefühle das Buch auslösen wird. Trotzdem war es mir wichtig, Bettys Geschichte zu lesen, weil es auch gut tut, zu merken, dass man mit den eigenen Erfahrungen nicht alleine ist. Deshalb habe ich gut auf mich geachtet und zugesehen, dass ich nur an solchen Tagen weiterlese, an denen ich mich psychisch dazu bereit gefühlt habe. Das würde ich auch allen anderen raten, weil das Buch schon auch heftig sein kann. Für mich war es insgesamt sehr aufwühlend, das Buch zu lesen, aber gleichzeitig auch irgendwie heilsam.
Ich bin Mandy, 29 Jahre alt und mit einem alkoholkranken Vater aufgewachsen. In meiner Kindheit hätte ich mir gewünscht, dass mehr über psychische Erkrankungen gesprochen wird. Denn dann hätte ich mich vielleicht ein bisschen weniger allein und überfordert gefühlt. Auch jetzt gibt es immer noch viel zu viele Vorurteile, die Betroffene und Angehörige zusätzlich belasten. Deshalb freue ich mich, mit Locating Your Soul einen Beitrag zur Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen zu leisten.

