Folge #16

Wenn Selbsthilfe Zukunft braucht

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In der sechzehnten Folge spricht Conni mit Mandy Ganske-Zapf vom Landesverband für Angehörige psychisch erkrankter Menschen Sachsen-Anhalt. Mandy erzählt von ihrem vergleichsweise späten Einstieg in die Selbsthilfe und davon, wie schnell sich dann alles entwickelte. Kurz nach ihrem Beitritt in den Verband wurde sie in den Vorstand gewählt. Heute ist sie Mitte vierzig und gilt damit fast schon als jung für eine Vorstandstätigkeit, wie sie selbst sagt.

Auch mit Blick auf das 30-jährige Jubiläum des Landesverbands im Jahr 2025 sprechen sie über Generationswechsel und die Zukunft von Verbandsarbeit in der Selbsthilfe. Für Mandy ist klar, dass junge Menschen nachrücken müssen. Ohne sie gibt es keine Zukunft für Verbände in der Selbsthilfelandschaft. Entscheidend ist, ihnen echten Gestaltungsraum zu geben. Junge Menschen wollen mitwirken, mitdenken und mitkreieren.

Sie spricht über ihre Erfahrungen mit dem Weg junger Menschen ins Engagement im Landesverband. Zudem geht es um die inhaltliche Ausrichtung und die Ziele des Verbands. Welche Aufgaben übernimmt er innerhalb der Selbsthilfelandschaft? Welche Herausforderungen erschweren eine nachhaltig funktionierende Verbandsarbeit? Und was braucht es konkret, um junge Menschen für die Arbeit im Verband zu gewinnen?

Redaktioneller Hinweis: Die Folge wurde 2025 aufgenommen. Zeitliche Bezüge im Gespräch beziehen sich auf diesen Zeitpunkt. Die Fragen nach Generationenwechsel, Nachwuchs und Zukunftsfähigkeit bleiben jedoch hochaktuell.

Weiter unten findest du einen Themenüberblick (inkl. Zeitstempel) und das Transkript der Folge.

Falls du direkt zu einem Thema in der Folge springen möchtest:

06:47 
Thema: Weg in die Selbsthilfe.
 Wann und wie Mandy dazu kam, sich in der Selbsthilfe zu engagieren.

09:50
Thema: Generationswechsel in der Verbandsarbeit.
 Wie gelingt eine Verjüngung? Was braucht es, um junge Menschen für die Verbandsarbeit zu motivieren?

21:02
Thema: Aufgaben und Stellenwert. 
Welche Ziele sollen mit der Verbandsarbeit erreicht werden? Welche Funktionen erfüllt der Verband?

23:51
Thema: Zukunft des Verbands .
 Ohne regelmäßige Förderungen geht es nicht. Auch hauptamtliche Mitarbeitende sind, laut Mandy, essenziell für stabile und nachhaltige Verbandsarbeit.

Transkript zur Folge

Nele und Julia

00:08 – 00:38

Herzlich willkommen bei unerhört nah, dem Podcast des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Wir, das sind einmal ich, Nele und ich, Julia, sprechen offen mit verschiedenen GästInnen über die Erfahrungen und Herausforderungen von Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Erlebt mit uns, was es heißt, unerhört nah dran zu sein. Heute kommt eine Folge mit Conny.

Sie spricht mit Menschen, die sich gesellschaftlich für Betroffene und Angehörige engagieren.

Nele
00:38 – 00:50

Die Folge wurde 2025 aufgenommen. Zeitliche Bezüge im Gespräch beziehen sich auf diesen Zeitpunkt. Die Fragen nach Generationenwechsel, Nachwuchs und Zukunftsfähigkeit bleiben jedoch hochaktuell.

Conni

00:53 – 01:12

Ja, zu unserem heutigen Podcast-Gespräch begrüße ich Mandy Ganske-Zapf. Sie ist Journalistin und engagiert im Vorstand des Landesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Sachsen-Anhalt in Magdeburg sitzen Sie. Hallo.

Mandy

01:12 – 01:14

Hallo, ich freue mich.

Conni

01:14 – 01:33

Ich habe meinen Beiträgen in diesem Podcast die Überschrift gegeben, kein Mensch ist eine Insel. Und da bin ich jetzt neugierig, was Ihnen als Angehörige eines psychisch erkrankten Menschen oder auch eben als in Selbsthilfe engagierten Menschen dazu einfällt. Kein Mensch ist eine Insel.

Mandy

01:33 – 02:32

Ja, es ist eine schöne Überschrift, finde ich, die es, glaube ich, gut trifft, dass man, wenn man Angehöriger ist, sich auch diese Überschrift vielleicht zu Herzen nehmen sollte, weil man doch am Ende mit vielen Sachen vielleicht allein dasteht oder auch überfordert ist oder auch mal einen Ort braucht,

an dem man Kraft suchen möchte. Und da würde mir einfallen, dass man einen Austausch finden kann, wenn man zum Beispiel zu unseren Veranstaltungen kommt. Und dass man auch mal Raum für sich finden kann, indem man aber dann Menschen hat, die eigentlich auch genau wissen, wovon man spricht und da muss man auch nicht so viel erklären, sondern man ist wirklich dann irgendwie unter Menschen, die das verstehen und wo man auch mal einfach dann so alles auch mal vergessen kann vielleicht für eine Stunde oder wenn auch Dinge besonders auf den Nägeln brennen, wo man sich dazu austauschen kann, ohne dass man eben eine lange Vorrede halten muss, sondern irgendwie schon allen klar ist, was so die Grundkonstellationen sind.

Mandy

02:32 – 02:45

Und dann kann man so ein bisschen als Eingemachte gehen und holt sich vielleicht auch was für sich mit nach Hause. Und in diesem Sinne versuche ich eigentlich auch, wenn wir in unserem Verband uns engagieren, tätig zu sein.

Conni

02:45 – 02:53

Also Verbindungen zu schaffen und den kleinen Inselchen, die da vielleicht bisher noch einsam waren, so einen Andock-Platz zu bieten.

Mandy

02:54 – 04:01

Genau. Und auch vielleicht eine Form von, also zwei Funktionen, sag ich jetzt mal, zu erfüllen, nämlich einmal im Raum zu bieten für Austausch, für Treffen, fürs Kennenlernen, aber auch so eine Art Anleitung auch zu liefern für, also natürlich gibt es keine Rezepte oder so, aber schon auch was Praktisches mitgeben zu wollen. Also ich glaube, das ist das Anliegen eigentlich vieler Engagierter in unserem Bereich. Das heißt ja nicht umsonst auch Selbsthilfe, aber man braucht auch manchmal Hilfe zur Selbsthilfe.

Also Beispiel, wir hatten jetzt im Herbst ein Podium Verhältnis von Angehörigen, Arzt und Patient. Und hatten einen leitenden Oberarzt aus der psychiatrischen Versorgung auf dem Podium, einen Anwalt für Medizin und Patientenrecht, eine Angehörige aus der Selbsthilfe, die eine Selbsthilfegruppe leitet und, um das Podium komplett zu machen, auch eine Betroffene, die eine Selbsthilfegruppe leitet. Und das war sehr, sehr spannend zu sehen, weil die Angehörigen, die auch zu Gast waren im Zuschauerbereich, ihre Fragen dann ja auch vorbringen konnten.

Mandy

04:01 – 04:18

Ganz praktische Fragen, also zum Beispiel, Was kann ich tun, wenn mein Kind in der Psychiatrie fixiert wird? Wie lange darf das? Wie lange muss das? Wie muss mit uns darüber gesprochen werden? Dass man wirklich ganz praktische Antworten hat, wie man sich in dem Fall gut verhält und auch Einblick bekommen kann.

Und ja, als Beispiel. Wir hatten eine Veranstaltung, wo es ein Podium gab über das Verhältnis von Angehörigen zu den Menschen, die von psychischer Erkrankung betroffen sind. Also nicht nur ich und meine Betroffene, sondern allgemein auch das Verhältnis von Angehörigen und Betroffenen, wo auch Betroffene dann zu Wort gekommen sind und eigentlich den Angehörigen mal sagen, was sie eigentlich brauchen. Sie treffen ja auch viele Menschen, die als Angehörige aktiv sind, aber meinem Eindruck nach ist es natürlich häufig so, dass man, wenn man helfen will, nicht nur dem Angehörigen helfen möchte, also dem betroffenen Angehörigen, sondern es ist natürlich auch eine Form, sich selbst in der Situation irgendwie zu

ermächtigen, weil man sich ja eigentlich hilflos fühlt. Und vielleicht manchmal dann auch ein bisschen über sich hinausschießt oder zumindest vielleicht manchmal nicht genau hört, was braucht jetzt eigentlich der betroffene Angehörige? Man hilft sozusagen und weiß gar nicht, ob man am Ende wirklich geholfen hat, aber man hat erst mal was getan. Und das fand ich auch sehr spannend, dass Betroffene dann sagen, also manchmal ist es einfach nur wichtig zu wissen, ihr seid da für den Fall.

Und in manchen Fällen könnt ihr gar nichts tun. Und was dann der Klassiker ist, das hören wir ja sehr viel in unserem Bereich, ist, wenn die Betroffenen Sätze hören, die sie nun gar nicht gebrauchen können. Ja, reiß dich mal zusammen. Morgen ist doch auch noch ein Tag.

Mandy

05:49 – 06:00

Und guck doch mal, wie die Sonne scheint. Ja, also natürlich sind die meisten Angehörigen dafür total sensibilisiert, dass das kein Betroffener hören möchte. Genau, das sind die Klassiker aus dem Bereich der Depression.

Wobei ich glaube, das betrifft schon auch andere Menschen, also mit anderen Erkrankungsbildern. Wenn wir jetzt die Schizophrenie angucken, oder die bipolare Störung, wo es ja auch diese depressiven Phasen gibt. Das ist eigentlich ähnlich, dass die Antriebslosigkeit bei diesen Menschen so groß ist, dass solches gutes Zureden nicht sehr hilfreich ist. Und als Angehöriger ist schon ganz gut, wenn man dann mal so das gespiegelt bekommt, was vielleicht gebraucht wird und nicht nur sich selbst dann manchmal aktiv zu machen. Ja, finde ich ganz spannend und wichtig.

Conni

06:30 – 06:46

Gut, ja, da haben wir schon mal einen kleinen Einblick in Ihre Arbeit zu bekommen und in die Arbeit des Verbandes. Wie war das denn bei Ihnen selbst, als Sie in die Selbsthilfe sich begeben haben? Hatten Sie da auch so ein Inselgefühl und wollten irgendwo andocken?

Mandy

06:47 – 07:04

Also bei mir war es ein bisschen anders tatsächlich. In der Situation in meiner Familie war ich viele Jahre vor allem damit beschäftigt, damit zurechtzukommen und habe gar nicht an Selbsthilfe gedacht. Es war mir aber auch nicht begegnet. Mir hat auch nie jemand einen Flyer gegeben.

Also es gab da überhaupt gar keinen Bezug. Und noch dazu war ich so damit beschäftigt und es war ja auch eine Zeit in der, also ich bin jetzt Mitte 40 und in der Familie ging es eigentlich so los, da war ich so Anfang 20 und in der Zeit habe ich studiert, man ist in den Job eingestiegen. Es waren natürlich auch so viele Baustellen, dass ich da gar nicht auf die Idee gekommen wäre, noch nebenher mir zu überlegen, wo ich da jetzt noch irgendwie andocken könnte.

Und bei mir war es dann eher so rum, als die Situation sich stabilisiert hat, da hatte ich das Gefühl, okay, ich habe jetzt eigentlich so viele Sackgassen auch mitgemacht oder Fallstricke kennengelernt oder auch das Gefühl, mit bestimmten Strategien durchaus auch was erreicht zu haben innerhalb der Familie in Bezug auf meine betroffene Angehörige. Vielleicht wäre es ja toll, wenn man mit anderen spricht und denen auch Mut machen kann. Also es war ja ein sehr langer Weg auch.

Mandy

08:04 – 08:27

Also ich kann nicht sagen, dass es von heute auf morgen alles sich stabilisiert hat. Aber bei uns glücklicherweise ist es tatsächlich so, dass es seit vielen Jahren eine ganz tolle Entwicklung genommen hat. Also bei uns ist es so, die Betroffene lebt selbstständig, sie führt ein eigenes Leben, also sie geht nicht arbeiten. In ihren Möglichkeiten lebt sie ein wunderbares, selbstständiges Leben inzwischen. Und da habe ich mir dann überlegt, so, jetzt hast du die Zeit und die Kraft und kannst dich da engagieren.

Conni

08:35 – 08:37

Das heißt, sie waren gleich so die Gebende auch.

Mandy

08:38 – 09:04

Ja, Tatsache, genau, hat sich dann so ergeben. Aber es liegt einfach daran, dass ich so spät sozusagen auf den, wie sagt man, Trichter gekommen bin.

Und dann kam ich so ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinder eigentlich. Also man wurde dann gleich so hineingeworfen und zack in den Vorstand gewählt, weil, glaube ich, auch eine Zeit dafür ist, wo es auch um Verjüngung geht. Und es war dann gleich so eine Möglichkeit auch da. Und dann habe ich gedacht, ach, jetzt, ja, warum nicht?

Conni

09:04 – 09:50

Ja, Sie sagen schon das Stichwort Verjüngung. Das ist ja auch so ein bisschen ein Thema, was wir in unserem Gespräch bearbeiten wollten. Wie kann man so einen Generationenwechsel eigentlich gut über die Bühne bringen, bewerkstelligen? Ihr Landesverband ist ja 1995 gegründet worden, habe ich auf Ihrer jetzt gerade erneuerten Homepage gesehen.

Sehr schön geworden und hat also jetzt 30. Geburtstag dieses Jahr. Und natürlich ist, nehme ich mal an, dass das so ist, dass die, die angefangen haben, jetzt auch nicht mehr immer in der ersten Reihe stehen und dass da neue Kräfte nachwachsen müssen. Wie gelingt das eben auch mit Jüngeren? Jüngere sind Sie jetzt wahrscheinlich auch oder vielleicht gibt es ja noch Jüngere, die Sie da reinholen konnten. Wie gelingt das, dieser Generationenwechsel?

Mandy

09:50 – 10:01

Große Frage, die wir uns ständig stellen. Mit Mitte 40 ist man glaube ich in den meisten Vereinen und Verbänden sowas, was man jung nennt heutzutage.

Und alle sind immer ganz dankbar, wenn in unserem Alter dann um die Ecke kommt und sagt, ich will was tun. und sagen dann, oh, die Jungen möchten was tun. Und eigentlich fühlt man sich selber ja nicht mehr so wahnsinnig jung und hofft eigentlich auf noch Jüngere, die helfen. Und in diesem Sinne versuchen wir auch, den Verband neu aufzustellen.

Und das ist uns in den letzten drei Jahren zumindest in Ansätzen, glaube ich, ganz gut gelungen. Sie sagten ja schon, wir haben jetzt eine neue Webseite, was, glaube ich, einfach ganz basal ist. Und ich glaube, manche denken so, ja, neue Webseite haben wir schon vor zehn Jahren gemacht. Ja, aber so ist es eben leider, dass das nicht überall der Fall ist.

Und wenn man jetzt auf unsere Vereinsgeschichte oder Verbandsgeschichte schaut, dann kann man wirklich so ein bisschen diesen Bruch sehen. Also die alte Generation war halt eine Offline-Generation. Super vernetzte Leute, ganz engagiert, seit 1995 tolle Sachen gemacht, Podien organisiert, sich ganz toll vernetzt mit Fachleuten, mit Leuten aus den Einrichtungen.

Mandy

10:56 – 11:23

Also sind wirklich ganz aktive Menschen, nur im neuen Zeitalter muss es halt viel sichtbarer und anders sichtbar werden. Und das haben wir jetzt sozusagen, die Neuen, die es übernommen haben, eingeführt. Und nehmen diesen Arbeitsteil jetzt erstmal an und haben das aufgelegt, also die Webseite, die Flyer und alles, was man so für Öffentlichkeitsarbeit braucht, angeschafft, designt und so weiter. Und auch auf Social Media sind wir jetzt vertreten.

Und was mir eben aufgefallen ist, man muss wirklich auch junge Leute dazuholen, sonst wird das nichts. Und wir haben jetzt eine junge Mitarbeiterin aus der Jugendselbsthilfe, die auch in der Jugendselbsthilfe aktiv ist und witzigerweise gar nicht in Sachsen-Anhalt lebt, sondern im anderen Bundesland. Aber Gott sei Dank, die Digitalisierung macht es ja möglich, mit uns ganz toll zusammenarbeitet und ihre Ideen einbringt. Und das ist für uns natürlich Gold wert, weil wir jetzt auch von ihrer Perspektive profitieren.

Also nicht nur davon, dass sie jetzt diesen Social-Media-Account aufsetzt und da die Bilder designt, sondern wirklich diese Perspektive mitbringt. Was brauchen vielleicht auch junge Leute, um sich angesprochen zu fühlen? Was wollen die? Wie können wir das machen?

Und da wünschen wir uns jetzt auch ganz viel Input. Wir waren erst letzte Woche an der Hochschule in Magdeburg. in einer Vorlesung des Studiengangs Gesundheitsmanagement. Das war auch sehr toll, da konnten wir den Verband vorstellen und die Gelegenheit habe ich natürlich auch gleich genutzt und die junge Ehrenamtliche dazu geschaltet.

Mandy 

12:22 – 12:44

Per Zoom geht ja heutzutage Gott sei Dank alles. Und das war natürlich toll, weil wir dadurch wirklich gleich diese beiden Perspektiven dabei hatten. Die waren alle so Anfang 20, die vor uns gesessen haben und ihre Fragen gestellt haben und wir hatten gleich alle Eindrücke aus allen Altersgruppen. Und hinterher kam auch eine Studierende zu mir und hat gleich gefragt, Da kann man vielleicht auch ein Praktikum bei ihnen machen.

Das ist ja toll, wenn sich das jetzt alles modernisiert. Und sie hatte natürlich auch gleich das Gefühl, da hat man noch Gestaltungsraum. Ist ja immer sehr attraktiv für so einen jungen Menschen. Aber das hat mich natürlich gefreut, weil es zeigt ja, dass wir irgendwie zumindest im Ansatz irgendetwas in die richtige Richtung unternehmen und die jungen Leute schon das Gefühl haben, da passiert was und da fühlen sie sich angesprochen.

Conni

13:06 – 13:29

Man hört ja häufig, dass eben einfach diese etablierten Formen der Selbsthilfe junge Leute gar nicht mehr so anziehen. Liegt das dann nur daran, dass die offline sind oder sind das einfach andere Themen, andere Gesprächsformate, irgendwie andere Umgangsweisen? Wo ist jetzt da der Unterschied? Und merken Sie dann manchmal, dass man das irgendwie neu nochmal machen muss, nicht nur mit Internet?

Mandy

13:30 – 13:45

Na, ich weiß nicht, ob nicht nur mit Internet. Also grundsätzlich fällt natürlich auf, dass in den Selbsthilfegruppen selbst schon eher ältere, die ältere Generation vertreten ist. Also ältere ist jetzt übertrieben, aber ich sage mal 35 plus. Das ist schon jung, glaube ich, 35.

Aber bei uns ist es schon so, dass wir auch jüngere Leute dort finden. Dazu muss man vielleicht sagen, was schon sehr toll ist, eine unserer Vorstandskolleginnen leitet eine Selbsthilfegruppe in Magdeburg. Und es ist auch die größte Selbsthilfegruppe in Sachsen-Anhalt. Es sind mehr als 30 Leute in dieser Gruppe, ganz aktiv.

Und diese Gruppe hat eine sehr heterogene Altersstruktur. Auch aus dieser Gruppe ist eine junge Frau bei uns in den Vorstand gekommen, Anfang 30, wirklich das, was man sich wünscht für die Zukunft der Verbandsarbeit. Und da sehen wir schon, dass das klappt. Aber da kommen jetzt nicht die 22-Jährigen oder die 18-Jährigen.

Mandy

14:24 – 14:46

Und die haben, glaube ich, auch andere Fragen. Also es sind dann ja oft Kinder, die betroffen sind dann, weil ihre Eltern erkrankt sind und sie vielleicht mit der Lage nicht zurechtkommen. Und da kann ich nur sagen, was ich jetzt von der jungen Kollegin gehört habe, also in den Sachen, die per Internet laufen, passiert viel. Also der Weg scheint ja wirklich zu funktionieren bei vielen jungen Menschen.

Die nutzen dann die Chatberatung, die kommen auf die Selbsthilfe zu, haben auch oft dann entsprechenden Leidensdruck und dann hilft es auch, dass sie die Möglichkeit haben, mit jemandem Erfahrungen auszutauschen und sich Mut machen zu lassen.

Conni

15:00 – 15:16

Ja, das ist gut. Da kann man dann gezielt auch mit anderen Jüngeren ins Gespräch kommen. Aber im Grunde ist ja das Format der Selbsthilfe der Angehörigen.

Selbsthilfe müsste ja offen sein auch für Töchter und Söhne von betroffenen Eltern. Das sind ja auch Angehörige. Also das müsste doch eigentlich auch zu verhandeln sein in so einer Gruppe.

Mandy

15:16 – 15:47

Absolut, absolut.

Ich glaube nur, die fühlen sich davon nicht so angesprochen, könnte ich mir gut vorstellen. Und dann kommt ja hinzu, nehmen wir mal an, da kommt ein 18-Jähriger, das sind eben dann doch nochmal ganz andere Fragen, die damit sich herumschleppt. Besser wäre natürlich, man hätte dann eine Gruppe nur aus jüngeren 18 bis, was weiß ich, 22 oder so, dass die Fragen auch ähnlich sind und die Erfahrungshintergründe ähnlich sind, mit denen man kommt und sich austauschen möchte. Wäre wahrscheinlich das Nächste, worüber man nachdenken müsste, dass man extra eine Gruppe macht für diese Altersklasse.

Das könnte ich mir auch gut vorstellen. Was mich jetzt aber selbst noch gefreut hat, ist, dass auch bei einigen unserer Veranstaltungen auch schon wirklich jüngere Menschen aufgetaucht sind, was, glaube ich, schon mal ganz gut ist. Zum Beispiel hatten wir eine Veranstaltung im Kino. Das Kinoprogramm lesen ja fast alle Altersgruppen.

Das ist sehr hilfreich, dass über diesen Kanal auch dann junge Menschen angesprochen werden. Und da war der Saal fast voll. Und zwar alle Altersgruppen. Jugendliche, junge Erwachsene, 35 plus, Rentenalter und auch alle Gruppen, die man sich vorstellen kann.

Betroffene, Angehörige. Leute aus der Ärzteschaft, Leute im Psychiatriebereich, die zum Beispiel als Koordinatoren arbeiten, also wirklich so querbeet. Und das hat uns natürlich total gefreut und anscheinend war da das Medium Film der Schlüssel.

Conni

16:42 – 16:51

Das war der Film, der schwarze Hund, ne? Den habe ich auch auf ihrer Homepage natürlich gesehen. Also nicht den Film angesehen, aber gesehen, dass es den gab, ja. Genau.

Mandy

16:51 – 17:12

Also wir wussten vorher natürlich überhaupt nicht, ob das funktioniert, aber hinterher würde ich sagen, ja. Also wir haben gemeinsam mit zwei Theaterpädagoginnen aus Halle und Leipzig diesen Film gemacht. Die beiden haben ein Stück auf die Bühne gebracht, das läuft schon ein paar Jahre. Es heißt „Der schwarze Hund“, Depression aus dem Schatten ins Rampenlicht.

So. Und wie der Name schon sagt, will man das Thema Depression ins Rampenlicht holen. Und dieses Stück holt auf ganz wunderbare Weise die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Krankheit hinein. Es klingt ein bisschen widersprüchlich wunderbar und Krankheit, aber wunderbar deshalb, weil man sitzt in diesem Theaterstück und hat wirklich als Angehöriger das Gefühl zu spüren, wie sich ein Betroffener fühlen könnte.

Und das ist wunderbar, weil man diese Welt ja, weil die einem ja durchaus verschlossen bleibt, selbst wenn man sehr viel für den Betroffenen da ist und die Chance hat, das zu verstehen. Aber es ist natürlich eigentlich ein Stück, was einen sehr mitnimmt. Also es ist emotional sehr anstrengend. Aber wirklich eine ganz tolle Erfahrung.

Speaker 1

17:55 – 18:16

Also wenn jemand mal dieses Stück irgendwo sieht, das ist auch bundesweit unterwegs, kann ich nur empfehlen. Und in der Corona-Zeit haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und haben die beiden angesprochen. Und aus der Angehörigenperspektive haben sie dann diesen Film gemacht. Sie haben quasi aus dem Stück die Sequenzen gewählt, die auch speziell das Thema Angehörige und Betroffene umkreisen und haben das in einen Film gepackt.

Und den kann man natürlich nicht gesondert irgendwo zeigen, da muss man schon ein bisschen was erklären oder auch sich austauschen darüber, was das für Gefühle mit sich bringt oder was die Leute assoziiert haben beim Schauen oder Denken. Und so haben wir es dann auch gemacht. Also wir haben den Film gezeigt, wir haben danach eine Diskussion angeschlossen und das waren wirklich knackige 90 Minuten. Da gab es die ganze Zeit hat jemand geredet.

Es gab viele Fragen aus dem Publikum. Alle waren hinterher auch wirklich begeistert, sind auf uns zugekommen. Und das hat uns eigentlich bestärkt, dass man auch gucken muss, wie man andere Medien sozusagen einsetzt oder andere Formate, ein bisschen Eventcharakter sozusagen herstellt, um junge Menschen anzusprechen. Und auf dem Weg wollen wir auch weitermachen.

Conni

18:59 – 19:07

Sind denn da jetzt schon dann Kontakte daraus entstanden, dass Leute gesagt haben, hey, bei euch könnten wir uns vorstellen, mitzumachen?

Mandy

19:07 – 19:44

Direkt aus dieser Veranstaltung leider nicht. Das wäre natürlich klasse. Wir haben natürlich neue Kontakte für unser Netzwerk auf jeden Fall hergestellt.

Aber ich glaube, als Landesverband hat man auch zweierlei Herausforderungen. Es gibt ja Selbsthilfegruppen, die wir fördern, unterstützen, vernetzen und wie gesagt, eine unserer Vorstandskolleginnen leitet ja selbst eine Gruppe und man hat den Verband. Und die meisten Leute, die Hilfe suchen oder Austausch, denken natürlich zuerst eigentlich an die Selbsthilfegruppe und gehen eher dahin. Das heißt, der Weg, den die Leute eigentlich zu uns finden, führt über die Selbsthilfegruppen.

Und mir erscheint es auch logisch, dass jemand, der aus diesem Bereich kommt, sagt, okay, ich möchte eigentlich Hilfe haben. Ich gehe erst mal dahin. Und dann gefällt es ihnen so gut, dass sie sagen, oh, eigentlich möchte ich auch darüber hinaus mich engagieren. Und ach so, stimmt, es gibt auch einen Verband.

Wäre ja toll, wenn der mehr Lobby hat. Wunderbar, dann werde ich da jetzt noch Mitglied. So ist eigentlich der Weg. Und über diesen Weg haben wir tatsächlich schon viel gewonnen und auch was mich sehr freut in Halle, also Magdeburg ist ja Landeshauptstadt in Sachsen-Anhalt und Halle die zweite große Stadt im Süden, da haben wir auch eine sehr aktive Gruppe.

Mandy

20:14 – 20:36

Die ist ein bisschen kleiner als in Magdeburg, aber auch sehr aktiv und sehr ansprechend für den Umkreis. Und da ist tatsächlich auch so passiert, dass jetzt neue Mitglieder der Gruppe dann auch in den Verband gekommen sind. Also das funktioniert schon ganz gut. Und ich glaube, je jünger sozusagen die Leute erreicht werden einerseits bei solchen Veranstaltungen und dann aber auch bei diesen Selbsthilfegruppen langfristig, kann das dann eben auch einen Zuwachs bei uns bringen.

Aber das ist nichts für die Kurzstrecke. Das ist nichts, wo man jetzt eine Veranstaltung, jetzt strömen sie in Massen zu uns. Das wäre, glaube ich, vermessen und Quatsch. Aber man muss ja erst mal anfangen. Und der erste Schritt ist, glaube ich, gemacht. So muss man es sehen.

Conni

20:50 – 21:02

Okay, dann machen Sie mal einen Werbeblock. Wofür ist der Verband gut? Also was sind Ihre Aufgaben da und was wollen Sie mit diesem Verband auch erreichen? Warum brauchen Sie da Zulauf und viele engagierte Leute?

Mandy

21:02 – 22:43

Also der Verband erfüllt mehrere Funktionen. Einmal als Anlaufstelle erstmal, wenn jemand erstmal ganz orientierungslos sich erstmal klarwerden will, was braucht er, was will er, was gibt’s.

Dann entsprechend auch als Lotse, dass wir Tipps geben, wohin man sich wenden kann, welche Hilfe zu erwarten ist. Und das ist das eine, was auch ganz speziell für die Angehörigen als Erstkontakt wichtig ist, denke ich. Das Zweite habe ich gerade schon gesagt, ich erwähne es trotzdem noch mal ganz kurz, Selbsthilfegruppen fördern, vernetzen und stark machen. Das Dritte, auch in der Öffentlichkeit das Thema ins Bewusstsein holen, um nicht nur für die Angehörigen einzutreten, sondern auch generell zum Thema aufzuklären und auch zu psychischen Erkrankungen aufzuklären.

Es gibt ja immer noch viele Stigmata, auch wenn es sehr viel besser geworden ist. Das ist alles eine schöne Entwicklung, aber trotzdem ist da, denke ich, noch viel Luft nach oben. Und da möchten wir natürlich auch einen Beitrag leisten. Und das Vierte ist eigentlich politische Lobbyarbeit, dass man sich auch auf der Ebene natürlich für eine bessere psychiatrische Versorgung einsetzt, wo gerade auch in Sachsen-Anhalt noch viel Spielraum aus unserer Sicht vorhanden ist.

Das muss man klar sagen. Und auf der Ebene brauchen wir natürlich Leute hinter uns. Also zum einen, damit es ein Gewicht bekommt als Verband und zum anderen auch Manpower. Also die Ressourcen nicht nur als Gewicht, sondern auch ganz klar, um Dinge anzuschieben.

Wir sind bislang ein rein ehrenamtlich arbeitender Vorstand. Und das ist natürlich etwas, was uns bisher auch beschränkt in unseren Möglichkeiten.

Conni

22:43 – 22:51

Gibt es denn andere Verbände, die besser aufgestellt sind, wo Sie sagen, oh, wenn wir da hingucken, das möchten wir auch erreichen? Und haben Sie vielleicht eine Chance, das zu erreichen?

Mandy

22:51 – 23:42

Ja, gibt es natürlich. Also in Bayern, die sind sehr gut aufgestellt, da gibt es hauptamtliche Mitarbeiter, die machen auch ganz tolle, abgesehen davon, dass in Bayern psychiatrische Versorgung generell etwas besser dasteht. Krisendienste zum Beispiel. Ja, zum Beispiel, genau, das ist beneidenswert.

Und die machen auch eine tolle Öffentlichkeitsarbeit mit ihrer Mitarbeiterin dort, die ich auch kenne und schätze. Also ganz toll. Berlin hat ja auch hauptamtliche Mitarbeiter. In Thüringen sind sie auch etwas besser aufgestellt als bei uns, weil da andere Gelder auch fließen.

Und da möchten wir natürlich auch überall hin. Natürlich, das ist das Ziel. Also unsere Geschäftsstelle gibt es, aber da sitzt kein fester Mitarbeiter. Und das wäre natürlich toll, wenn wir so jemanden hätten, der uns da unterstützt.

Und das ist auch das langfristige Ziel. Also diese Gelder müssen wir irgendwo auftreiben.

Conni

23:42 – 23:50

Aber irgendwoher kriegen Sie auch jetzt schon Gelder oder gar nichts? Also ich denke jetzt an die Selbsthilfemittel der Krankenkassen zum Beispiel.

Mandy

23:51 – 24:09

Das sind die Mittel, die wir bekommen. Mit diesen Mitteln machen wir unsere bisherige Verbandsarbeit, also mehrere Veranstaltungen im Jahr. Wir unternehmen auch manchmal Ausflüge mit unseren Mitgliedern, also gerade in diesem Jahr. Ich meine, Sie haben es am Anfang schon gesagt, wir haben ja dieses Jahr ein Jubiläum, 30 Jahre und da werden wir im Herbst auch einen Ausflug machen.

übers Wochenende. Das haben wir auch schon mal zum eigentlich zum 25. wollten wir es auch schon machen. Das war genau das Corona-Jahr.

Wir haben es dann zwei Jahre später nachgeholt. Jetzt wollen wir es dieses Jahr auf jeden Fall pünktlich unternehmen zu unserem Jahrestag. Genau. Aber sowas machen wir ja auch.

Das muss auch bezahlt werden. Und dafür sind die Krankenkassen natürlich super. Nur diese Gelder darf man nicht einsetzen für festes Personal in Geschäftsstellen. Also das sind projektgebundene Gelder, die man für Veranstaltungen ausgeben darf.

Mandy

24:34 – 24:56

Oder eben jetzt zum Beispiel auch für Teile unserer Webseite, die ist ja zum einen gefördert von der Aktion Mensch. Das war natürlich toll, dass wir damit unsere Webseite modernisieren konnten. Und zum Teil haben wir natürlich auch selber ein bisschen Geld dafür ausgegeben. Und jetzt steht sie, aber das sind leider keine Gelder, die wir für Personal in einer Geschäftsstelle aufbringen dürfen.

Aber das muss langfristig, das nennt sich ja institutionelle Förderung, die man dafür braucht, also Gelder, die erlauben, dass man so eine Geschäftsstelle unterstützt und die nicht projektbezogen verwendet werden. Und da muss man eben, glaube ich, an diese politische Lobbyarbeit ran. Ganz genau, und da beiße ich ja ehrlicherweise die Katze in den Schwanz, weil wenn wir natürlich keine Zeit haben, um diese Arbeit ordentlich auszubauen, ist logischerweise die Lobby, an diese Gelder zu kommen, noch nicht groß genug. Und solange die Lobby nicht groß genug ist, um an diese Gelder zu kommen, kommen wir nicht an diese Gelder und so weiter und so fort.

Aber trotzdem ist es das Ziel. Und wenn wir, glaube ich, jetzt über die Jahre einen gewissen Stand erst mal hergestellt haben, bestimmte Prozesse abgeschlossen haben, die auch erst mal sein müssen, um einen Verband neu aufzustellen und in die sozusagen moderne Zeit zu überführen, kann man sich dann den nächsten Schritten widmen. Und das ist unser Ziel. Also da sind wir noch lange nicht. Aber man muss ja, wie gesagt, erster Schritt.

Conni

25:50 – 26:03

Was wäre denn so ein politisches Ziel, was Sie sich gerne mal vornehmen würden mit dem Verband? Also wenn Sie sagen, da ist noch Luft nach oben bei der Psychiatriepolitik in Sachsen-Anhalt, was wäre so was, wo Sie gerne dran arbeiten würden?

Mandy

26:03 – 26:28

Es gibt verschiedene Bereiche.

Ich fange erst mal vielleicht mit einem Bereich an, den es schon gibt, um da zu demonstrieren, wo Tücken liegen. Es gibt ein neues Psychiatriegesetz in Sachsen-Anhalt. Das ist vor wenigen Jahren in Kraft getreten und jetzt, zwei Jahre nachdem Corona hinter uns liegt, greift es richtig. Und es gibt neue Patienten, also eine neue Funktion auf Gemeindeebene.

Das sind Patientenfürsprecher und Fürsprecherinnen. Die gibt es ja normalerweise auch an Kliniken. Nur an Kliniken ist es schon so, dass es oft ja dann auch Ärzte sind, die diese Funktion übernehmen. Und für Angehörige ist es schon gut, wenn sie dann manchmal eher zu jemandem gehen können, der gerade nicht aus der Klinik ist, weil sie ja vielleicht über die Probleme sprechen wollen, die aus ihrer Sicht dort vielleicht in einem Fall vorlagen.

Mandy

26:49 – 27:43

Und diese neuen Patientenfürsprecher, die gibt es auf Gemeindeebene. Nur, das sind ehrenamtliche Leute. Und was man sich auch gewünscht hat, und das ist an sich natürlich ein sehr schönes Ansinnen, dass es auch Menschen sind mit Psychiatrieerfahrung. Ehrenamtliche also, die möglicherweise auch nicht so stark belastbar sind.

An sich finde ich es total gut, also ein tolles Amt, tolle Idee, aber man muss sich natürlich vergegenwärtigen, dass sie ganz schön viel leisten müssen und dass es nicht schaffbar ist, das wirklich in dem Umfang zu machen, wie es notwendig wäre. Beispiel. Man sitzt dann in Runden zusammen mit den Kostenträgern, mit den Klinikvertretern, alles hauptamtliche Leute, die sich den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigen und man sitzt als Patentenfürsprecher dabei und will das Anliegen, das man da hat, vorbringen. Und das stelle ich mir dann schon sehr schwierig vor.

Mandy

27:43 – 29:06

Man hat weniger Zeit, um sich in die Materie einzuarbeiten. Als Ehrenamtlicher ist man nicht vom Fach. Man hat Erfahrung, aber kennt natürlich die ganzen Hintergründe nicht automatisch. Und da gibt es Luft nach oben.

Also zum einen haben wir uns dafür eingesetzt, dass es auch bessere Schulung geben soll, damit diese Menschen erstmal auch vernünftig angeleitet werden, wenn sie in diese neue Aufgabe hineinkommen. Es war nämlich nicht von vornherein so angedacht. Und soll jetzt aber zunehmend da einen Eingang finden in die Praxis. Und zum anderen wäre unser Ziel natürlich, dass es hauptamtliche Leute werden.

Also sei es Teilzeit, das würde ja vollkommen genügen. Aber es müssen Leute sein, die einfach die Zeit haben und die Ressourcen, sich wirklich mit den Sachen so zu beschäftigen, dass man es nicht nebenbei erfüllt oder als Ehrenamtlicher eben eigentlich quasi eine Art hauptamtliche Tätigkeit übernimmt. Und das ist natürlich immer besser, auch ganz im Sinne der Angehörigen, was an Belange dann vielleicht gelöst werden können, an Dingen, die sie da als Probleme mitbringen. Als ein Beispiel von dem, was wir schon haben.

Genau, aber darüber hinaus gibt es natürlich die Probleme, die es fast überall gibt. Es gibt zu wenig Therapieplätze, muss viel mehr passieren, hat natürlich auch mit dem Fachkräftemangel in dem Bereich zu tun, aber nicht nur. Und sie sagten es schon, in Bayern gibt es Krisendienste, davon können wir nur träumen. Das sind Ziele, die liegen in ferner Zukunft, aber da muss man unbedingt dran arbeiten.

Conni

29:06 – 30:16

Also merkt man schon, dass es auch wichtig ist, weil man ja auch einen langen Atem braucht, dass schon jüngere Leute auch einsteigen und das mit ihrer Kraft, die die ja haben, auch mit ihrer Power auch mit nach vorne bringen. Ich habe gesehen auf Ihrer Seite sind die ja auch schon die jüngeren Stimmen auch schon repräsentiert. Also da haben Sie den Link zu Peer4U, dieses Beratungsportal. Und sie haben aber auch einen Blog, das ist Locating Your Soul.

Ich denke. Genau, da sind also jüngere Leute, die eine erzählte, dass ihr Vater betroffen war. Und da kam mir auch mein Spruch von diesem Inseldasein so in den Kopf, weil sie sagte, wie einsam sie damit gewesen ist, lange Jahre, bis sie irgendwie mal in die Selbsthilfe fand. Und das fand ich auch sehr berührend.

Und das waren also fast alles jüngere Leute, die ihre Themen da so reinbrachten. Das finde ich sehr schön. Das wollte ich Sie so jetzt am Ende unseres Gesprächs noch mal so fragen. Sie haben ja schon ein bisschen deutlich gemacht, wie man die ansprechen kann.

Wie profitiert man auch davon, wenn man die Jüngeren in dem Verband hat? Und wie profitieren die Jüngeren davon, dass es solche aufgebauten und vernetzten Verbände gibt?

Mandy

30:16 – 31:44

Na, das Projekt, was Sie ansprechen, ist ja angesiedelt beim Bundesverband. Und da passiert auch sehr viel für die junge Selbsthilfe und mit dem Blick auf die junge Zielgruppe.

Das ist super und super für uns, dass sich das so ergänzt. Wir alle stehen ja vor dieser Herausforderung und das ist natürlich dann gut, wenn man diese Projekte hat. Ich glaube, dass wir vor allem von den jüngeren Menschen, ganz klar mit Blick auf Verbandsarbeit, vor allem davon profitieren, zu erfahren, wie soll man die ansprechen langfristig? Und vor allem, wie kann man sie halten?

Weil das wird ja dann die größere Herausforderung. Die jungen Menschen haben ja eigentlich die Situation, in der ich vor 20 Jahren war. Und ich weiß ja schon, wie es für mich war. Ich hatte gar keinen Kopf dafür.

Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen. Insofern ist es ja überhaupt toll zu sehen, also für mich jetzt mit meinem persönlichen Weg, dass überhaupt Leute mit 25 dann schon sagen, so, ich wende mich da jetzt hin. Ich will jetzt wissen, was da los ist. Ich will mich einbringen.

Und wenn ich hier nur meinen Erfahrungsbericht zum Beispiel teile und die jungen Leute, mit denen ich Kontakt hatte bisher und auch habe, verstehen, meiner Ansicht nach, wie wichtig das ist. Sie begreifen sehr schnell, dass es wichtig ist, diese politische Arbeit zu machen. Ich glaube, unsere junge Generation ist sowieso sehr politisch. Ich halte auch nichts von den Abgesängen, die grundsätzlich auf die jüngere Generation abgehalten werden.

Mandy

31:44 – 32:23

Im Gegenteil, ich habe schon das Gefühl, es sind sehr differenziert denkende junge Menschen, die wissen, dass man sich engagieren muss. Die Frage ist natürlich nur, wo? Es gibt so viele Dinge, wo man sich engagieren kann und auch muss. Also es gibt ja so viele drängende Probleme in der Welt auch, dass wir von Glück reden können, sozusagen, wenn sie dann den Weg zu uns finden.

Und der wird wahrscheinlich vor allem dann geebnet, wenn traurigerweise der Leidensdruck besonders hoch ist. Und gerade dann müssen wir für diese Menschen besonders gut da sein. Und dann können sie uns auch was zurückgeben, glaube ich.

Conni

32:23 – 32:30

Ja, sehr schön. Vielen Dank für diesen schönen Einblick in Ihre Arbeit und ich wünsche Ihnen viel Glück bei Ihren nächsten Vorhaben.

Mandy

32:31 – 33:03

Ja, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Und ich habe wahrscheinlich aus dem Herzen vieler Verbände gesprochen, die solche Prozesse entweder schon durchlaufen haben oder gerade durchlaufen. Und vielleicht als Schlusswort auch. Es ist wirklich auch toll, mit diesen anderen Verbänden immer in Kontakt zu sein. Das klappt ja sehr gut über den Bundesverband. Da haben wir auch regelmäßige Runden, in denen wir uns austauschen. Insofern auch Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen in der Verbandsarbeit.

Und das ist toll, dass man sich gegenseitig mit Kontakten hilft, mit Rat und Tat. Also wunderbar. Da bin ich sehr dankbar für.

Julia

33:03 – 33:20

Das war unerhört nah. Der Podcast für Angehörige psychisch erkrankter Menschen. Dies ist ein Projekt des BAPK mit Unterstützung der Baumer Krankenkasse. Hört nächstes Mal wieder rein, wenn wir mit Menschen sprechen, die verdammt nah dran sind.

Der Podcast „Unerhört nah“ wird gefördert durch

#verdammtnahdran

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