Folge #8

Wenn man sich nicht einfach trennen kann

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Podigee. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Der Gast in der 8. Folge ist Kai. Er war schon einige Zeit mit seinem damaligen Partner zusammen, als er merkt, dass die Beziehung anders läuft als bisherige. Der Umgang miteinander gestaltet sich durch die schwankenden Gefühlsausbrüche des Partners schwierig und Kai versteht erst später, dass sein Partner psychisch erkrankt ist. Bis dahin haben sich aber bereits Dynamiken entwickelt, die nicht so leicht aufzulösen sind. Und sich einfach zu trennen, ist auch leichter gesagt als getan.

Wir sprechen mit Kai über seine Beziehung, darüber wie er seinen Weg während und nach der Beziehung gefunden hat und was die Themen Selbstwirksamkeit, Selbstfürsorge und Selbsthilfe damit zu tun haben.

Weiter unten findest du einen Themenüberblick (inkl. Zeitstempel) und das Transkript der Folge.

Weiterführende Links:

Instagram:

Falls du direkt zu einem Thema in der Folge springen möchtest:

04:45
Thema: Angehörig sein. Kai erzählt von der Beziehung mit seinem Ex-Partner, der an Borderline erkrankt ist, und von der Verantwortung, die Kai übernehmen musste, und wie er zu der schleichenden Erkenntnis kam, dass er etwas für sich selbst tun muss.

14:54
Thema: Start der Selbsthilfegruppe und Begriffsklärungen. Gründung der Selbsthilfegruppe 2014 und des Vereins 2022. Selbsthilfe, Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit und deren Bedeutung für Angehörige.

35:04
Thema: Ex-Angehörig sein. Kai erzählt, wie ihn das Thema „angehörig sein“ auch nach der Trennung weiter begleitet, wie es ihn verändert und was er daraus – vor allen Dingen durch die Selbsthilfe-Gruppe – für und über sich gelernt hat.

Transkript der Folge

Nele
00:02 – 00:10
Herzlich willkommen bei Unerhört Nah, dem Podcast des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Wir, das sind einmal ich, Nele

 
Julia
00:10 – 00:10
und ich, Julia,

 
Nele
00:10 – 00:45
sprechen offen mit verschiedenen Gästinnen über die Erfahrungen und Herausforderungen von Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Erlebt mit uns, was es heißt, unerhört nah dran zu sein. Eine kleine Erwähnung vorab. Wir haben heute zwei Gäste bei uns, und zwar einen Interviewpartner und einen Hund, den Tobi, den ihr vielleicht zwischendurch immer mal hören könntet.

 
Nele
00:45 – 01:03
Der hatte den sehr entspannten Part hier vor der Folge und hat sehr viel geschlafen. Zwischendurch musste er sich mal ein bisschen schütteln. Das heißt, wundert euch nicht, falls ihr irgendwie zwischendurch mal andere Geräusche hören könntet. Hallo und willkommen zu einer neuen Folge von Unerhört Nah.

 
Nele
01:03 – 01:18
Wir sprechen heute über ein Thema, das wir hier bislang noch gar nicht behandelt haben, und zwar Angehörigkeit und Partnerschaften. Wie ist es, mit einem Menschen zusammen zu sein, der psychisch erkrankt ist? Ich gebe an der Stelle weiter an meine Kollegin Julia, die unseren heutigen Gast vorstellen wird

 
Julia
01:18 – 01:36
Ja, hallo Nele erstmal, von meiner Seite auch, willkommen zurück. Wie du gesagt hast, heute geht es um Partnerschaft und dafür haben wir uns Kai Kreuzfeld eingeladen. Kai hat eine Selbsthilfegruppe für Borderline-Angehörige in Köln gegründet.

 
Julia
01:37 – 01:56
Und hat auch unter anderem den Verein Zentrum für Borderline gegründet. Der ist auch in Köln, also Zentrum für Borderline Angehörige, soweit ich es richtig verstanden habe. Das heißt wirklich ein Verein, der sich explizit genau damit befasst. Kai, erstmal herzlich willkommen, dass du da bist.

 
Julia
01:56 – 01:56
Wir freuen uns sehr.

 
Kai
01:57 – 01:59
Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein.

 
Julia
01:59 – 02:15
Ja und es soll tiefer gehend quasi heute auch so ein bisschen um das Thema Selbstfürsorge, Selbstwirksamkeit und auch Selbsthilfe von Angehörigen gehen. Also wie kann man das gestalten? Was sind da Wege, die man gehen kann? Beziehungsweise eben dann in deinem Fall, wie war dein Weg?

 
Julia
02:15 – 02:23
Und deswegen würde ich dir als erstes mal die Frage stellen, was ist denn überhaupt deine Geschichte dazu? Warum sitzt du jetzt heute mit uns hier?

 
Kai
02:25 – 02:49
Ja, meine Geschichte hat vor 2006 begonnen, weil ich da meinen heutigen Ex-Partner kennengelernt habe. Ich hatte vorher in Brasilien gelebt und er ist Brasilianer, kam aus Brasilien hierher, damit wir dann zusammenleben konnten. Ich wusste, es gibt gesundheitliche Probleme. Er hat von Depressionen gesprochen.

 
Kai
02:49 – 03:01
Und da dachte ich mir, okay, das kriegen wir schon hin. Das ist auch so ein typisches Angehörigendenken. Man weiß, da ist etwas nicht in Ordnung, aber wir schaffen das. Ja, irgendwie machen wir das.

 
Kai
03:02 – 03:16
Es war nicht nur die Depression. Es war letztendlich Borderline. Ich hatte zu der Zeit überhaupt keine Ahnung, was Borderline bedeutet. Klar, gehört hatte ich es schon mal, aber wie sich die Krankheit äußert, wusste ich nicht.

 
Kai
03:16 – 03:35
Ich habe es dann aber am eigenen Leib auch erfahren. Und es wurde immer schwieriger, überhaupt mit ihm vor die Tür zu gehen, Termine einzuhalten, weil die Angststörung da war, weil er immer perfekt aussehen wollte. Das heißt, er stand stundenlang vor dem Spiegel, hat sich geschminkt. Wir kamen immer zu allem zu spät.

 
Kai
03:35 – 03:51
Wenn es überhaupt mal geklappt hat, dass wir rausgegangen sind. Dann kamen die Wutausbrüche dazu, für mich aus heiterem Himmel. Ich wusste überhaupt nicht, wie mir geschah. Ich hatte ja nichts gemacht, nichts gesagt, was irgendwie zu so einer Reaktion hätte führen können.

 
Kai
03:52 – 04:14
Aus meiner Sicht natürlich. Und ja, hab mich dann immer mehr damit beschäftigt, was es sein könnte, was sein Problem sein könnte. Und ich muss ehrlich sagen, ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf Borderline gekommen bin, aber ich hab mir dann ein Buch geholt, was die Borderline-Persönlichkeitsstörung beschreibt, und hab da einiges wiedergefunden.

 
Julia
04:16 – 04:45
Das heißt, du bist in diese Beziehung rein mit dem Wissen, da ist irgendwas, aber es hat sich dann als was ganz anderes rausgestellt, als es am Anfang gedacht war. Geschweige denn, dass du damit Erfahrung hattest, wie man überhaupt damit umgehen soll. Dann würde ich dich so als erstes einfach mal fragen, wie hast du denn gemerkt, dass da in der Beziehung was anders läuft als sonst? Und wann hast du auch vor allem gemerkt, dass du jetzt auch was für dich anders machen musst?

 
Julia
04:45 – 05:04
Dass das jetzt eben nicht mehr ist wie vielleicht in vorangegangenen Beziehungen, sondern dass es ja irgendwie so einen Punkt gab, wo du dir dieses Buch gekauft hast, wo du dich damit mehr auseinandergesetzt hast. Hier vielleicht irgendwann ja gedacht hast, irgendwie muss ich hier, glaub ich, mit anderen Dingen handhaben als sonst.

 
Kai
05:06 – 05:38
Ja, wie gesagt, das Problem war, es war kein normales Leben mehr möglich, dass man sich einfach mal mit Leuten trifft oder er hat zum Beispiel nie gearbeitet, seit er hier in Deutschland angekommen ist, musste ich dann für uns beide aufkommen. Er hat es einfach nicht geschafft, sich eine Arbeit zu suchen, überhaupt vor die Tür zu gehen und das war für mich so. Natürlich fiel es mir auf, da stimmt irgendwas nicht. Und konnte auch diese Ängste nicht nachvollziehen. Warum geht der nicht mal alleine in die Stadt?

 
Kai
05:38 – 05:52
Warum guckt er sich nicht mal alleine um? Oder sucht sich Freunde oder was weiß ich, lernt Leute kennen. Das hing immer alles an mir fest. Und das hat mich sehr eingeschränkt natürlich.

 
Kai
05:52 – 06:10
Ich hab dann immer versucht, so gut ich konnte, da zu sein und Dinge zu erledigen. Habe ihm auch sehr viel abgenommen. Das ist auch ein Fehler, den viele Angehörige begehen, dass man halt alles Mögliche von den Betroffenen abnimmt. Und habe dann aber…

 
Kai
06:10 – 06:26
Ach so, und er hat mir dann später auch immer gesagt, was ich besser hätte machen können. Also ich habe nach Lösungen gesucht, aber nachher hat er mir die Lösung gesagt, du hättest ja das und das machen können. Und da dachte ich mir auch so, warum sagst du das nicht? Warum kann man nicht einfach normal darüber sprechen?

 
Kai
06:26 – 06:31
Ich brauche das. Kannst du das für mich machen? Dann wäre ja alles klar. Dann hätte ich auch Bescheid gewusst.

 
Kai
06:31 – 06:32
Aber so war es halt nicht.

 
Kai
06:34 – 06:54
Es hat aber auch ziemlich lange gedauert, bis ich gemerkt habe, wie sehr ich eingeschränkt war. Also natürlich habe ich das gemerkt, aber man glaubt ja dann auch immer, beim nächsten Mal wird es besser, beim nächsten Mal kriegen wir das hin. Das schaffen wir schon. Dafür muss ich aber zurückstecken.

 
Kai
06:54 – 07:14
Dann kann ich so meinen Sachen nicht nachgehen, meine Leute nicht treffen. Das, was mir Spaß macht, konnte ich nicht mehr machen. Aber das ist so ein schleichender Prozess. Und auch wenn man es irgendwann mal oder sich dessen bewusst wird, dauert es noch, sich das selbst einzugestehen und dann Veränderungen zu suchen, die einem selbst guttun.

 
Nele
07:15 – 07:34
Hast du denn, als du gemerkt hast, dass da irgendwas nicht so ganz stimmt, auch mit ihm darüber gesprochen oder hast du dich erstmal so ein bisschen für dich informiert, das könnte das sein, ich hole mir jetzt dieses Buch, ich belese mich dazu. Hast du das für dich gemacht oder hast du das mit ihm offen auch kommuniziert, dass du merkst, dass da was nicht stimmt?

 
Kai
07:35 – 08:03
Das habe ich offen kommuniziert und nicht nur ich, sondern auch Freunde und Bekannte haben ihm auch immer dazu geraten, eine Therapie zu besuchen oder sich eine Therapie zu suchen oder irgendwie anders helfen. Und dann hat er gesagt, ich habe schon fünf Therapien gemacht, was ich aber anzweifle. Also es waren vielleicht mal ein paar Gespräche. wie sich nachher herausgestellt hat, es waren keine echten Therapien von Anfang bis Ende.

 
Kai
08:03 – 08:18
Und er war da sehr uneinsichtig, also es waren immer die anderen waren schuld, das Leben war schuld, die Welt war schuld, es war wirklich, er war in dieser Opferhaltung völlig gefangen. Und für ihn war das natürlich klar, weil die Welt nicht so funktioniert, wie er das gerne hätte.

 
Kai
08:19 – 08:30
Weil die anderen nicht so machen und ihn nicht sehen und seine Bedürfnisse nicht ablesen können, wie soll man das auch? Waren alle anderen falsch, nur er nicht. Also er hatte immer für alles eine Erklärung.

 
Julia
08:31 – 09:10
Ja, also es betrifft glaube ich sehr viele Angehörige genau, dass es ja manchmal auch so ein bisschen auf die Krankheitsbilder auch ankommt. Dass ja gerade so Borderline oder auch psychotische Störungsbilder oder so glaube ich da nochmal besondere Härte manchmal mitbringen können sozusagen, dadurch dass die Wahrnehmung so unterschiedlich sein kann, dass man manchmal gar nicht so richtig zusammenkommen kann sozusagen. Und da frage ich mich so, wann war denn der Punkt, wo du gemerkt hast, du kommst da eben offensichtlich nicht an ihn ran, aber jetzt musst du halt was für dich tun. Hattest du da so einen Aha-Moment oder war das ein Prozess, wo du so nach und nach reingeschnuppert hast?

 
Julia
09:10 – 09:12
Gab es irgendeinen Streit oder was auch immer?

 
Kai
09:13 – 09:30
Also, dass ich gemerkt habe, ich muss was für mich tun, das war kein Aha-Moment, das war eher der schleichende Prozess. Dass ich mich getrennt habe, das war letztendlich ein Aha-Erlebnis. Aber, ja. Natürlich habe ich gemerkt, dass ich was für mich machen muss.

 
Kai
09:30 – 10:01
Zum Beispiel, ich erinnere mich, ich war arbeiten, er war den ganzen Tag zu Hause und ich sollte dann so schnell wie möglich nach Hause kommen, weil er nicht allein sein wollte und ja, brauchte halt Gesellschaft. Und wenn es im Sommer schön war, dann wäre ich nach der Arbeit gern irgendwo hingegangen an den Rhein oder irgendwo in den Biergarten gesetzt. Es ging nicht, ich musste nach Hause und draußen war das schönste Wetter und ich saß in der Bude. Und da habe ich mir gedacht, das kann doch echt nicht jetzt so die ganze Zeit weitergehen.

 
Kai
10:01 – 10:19
Aber an Trennung habe ich damals auch nicht gedacht, das wäre auch nicht gegangen. Und da habe ich so den Konflikt in mir gemerkt, also ich würde gerne rausgehen, ich würde gerne was machen, Leute sehen, aber ich muss ja bei ihm bleiben und er kann nicht raus, will nicht raus und tja, dann sitze ich da in der Patsche.

 
Nele
10:20 – 10:51
Ja, dann nimmt man sich selber dann zurück und fühlt sich vielleicht auch in der Pflicht, in der Verantwortung, sich dann um die betroffene Person mitzukümmern. Eigene Bedürfnisse werden hintenangestellt. Das ist ja auch ganz oft dieses Problem, was Angehörige haben, dass sie sich sehr in den Hintergrund stellen und erst mal die Bedürfnisse der betroffenen Person priorisieren. Gab es denn Menschen in deinem Umfeld, die dann auch gesagt haben, Mensch, du musst da raus aus dieser Beziehung, du musst dich trennen und das kann doch so nicht weitergehen?

 
Nele
10:51 – 10:55
Oder war das etwas, was du eher so für dich dann irgendwann entschieden hast?

 
Kai
10:55 – 11:16
Also in meinem Umfeld, egal ob es jetzt Freunde oder Familie waren, die kannten ihn ja natürlich auch und die haben auch die Situation gesehen. Die waren immer sehr fürsorglich mir gegenüber, verständnisvoll. Das heißt, ich hatte immer Unterstützung, ich hatte immer jemanden zum Reden. Da gab es keinen, der gesagt hat, boah, ich kann es nicht mehr hören, jetzt lass es endlich.

 
Kai
11:16 – 11:29
Und natürlich wurde dann auch gesagt, ey, trenn dich doch. Oder warum hast du dich nicht schon längst getrennt? Die Frage konnte ich aber auch gar nicht beantworten. Das ist mir heute klar, was da alles hinter steckte.

 
Kai
11:29 – 11:34
Nämlich die Drohungen. Er hat mir auch die ganze Verantwortung immer gegeben.

 
Kai
11:34 – 11:40
Erstens dass er jetzt in Deutschland lebt. Ich hätte ihn hergebracht. Ich hab gedacht, ja, hab ich gemacht. Ich hab das Ticket gekauft.

 
Kai
11:40 – 11:51
Aber du wolltest ja auch kommen. Also, ich war in seiner ganzen Situation schuld. Und … ein Stück weit hab ich das sicherlich am Anfang auch angenommen.

 
Kai
11:51 – 12:05
Dann kamen auch die Drohungen. Wenn ich mich trenne oder wenn wir uns trennen, würde er sich was antun, sprich Suizid. Oder er würde mir was antun. Und ja, das steckt man nicht so einfach weg.

 
Kai
12:05 – 12:13
Das sind … Ich weiß nicht, ob es leere Drohungen waren, ob er das wirklich machen würde, aber die Verantwortung will man auch nicht auf sich nehmen.

 
Nele
12:13 – 12:29
Das ist ja emotionale Erpressung, da sieht man sich dann ja wirklich überhaupt nicht in der Lage, jetzt rational entscheiden zu können, möchte ich die Beziehung oder nicht, sondern man steckt so tief drin, man hat Angst vor den Konsequenzen. Das ist ja aber auch Teil dieses Störungsbildes so ein bisschen.

 
Nele
12:30 – 12:58
Also diese emotionale Erpressung, die dann vielleicht auch oft an den Tag gebracht wird, um Personen zu binden. Da spricht ja dann auch die Erkrankung raus. Eigentlich ist es ja genau das, was es dann ja auch nicht leichter macht, sich zu trennen. Wir hatten nämlich im Vorhinein schon darüber gesprochen, Julia und ich, dass ganz oft in Partnerschaften ja dann auch gesagt wird, wenn es nicht läuft, wenn irgendwas nicht funktioniert, trenn dich halt.

 
Nele
12:58 – 13:24
Da käme man ganz oft nicht drauf, wenn es um familiäre Beziehungen geht. Ganz oft war es auch so eine Erfahrung, die ich gemacht habe, aus Partnerschaften kannst du dich doch einfach lösen. Aber so ist es eben nicht. Und deshalb finde ich es gut, dass wir gerade auch heute dieses Thema mal aufgreifen, Kai, weil Du uns ja im Prinzip auch zeigst, es ist nicht einfach, sich mal eben zu trennen, wenn man mit dieser Person so sehr verbandelt ist.

 
Kai
13:24 – 13:42
Ja, das ist ja auch nicht so, dass ich mir nicht professionelle Hilfe gesucht hätte. Also ich habe beim Sorgentelefon angerufen oder bei der Seelsorge, weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste. Ich hatte einen Beratungstermin beim Gesundheitsamt in Köln. war ich auch sehr aufgeregt, dass ich das recht kurzfristig erhalten hatte.

 
Kai
13:42 – 13:57
War aber auch nach zehn Minuten wieder draußen, als ich dann die Situation umrissen hab. Ich hab noch nicht mal richtig viel beschreiben können, ich hab’s umrissen. Und bei beiden Stellen hab ich zum Schluss gehört, sie müssen sich trennen. Aber wie man das macht, das hat mir keiner gesagt.

 
Kai
13:57 – 14:12
Und ob ich überhaupt dazu bereit bin, das war ich nämlich damals noch nicht. Und dieser Spruch, als Eltern oder als Familienmitglied kann man sich nicht trennen, als Partner schon. möchte ich so nicht unterschreiben. Das hören wir auch in der Selbsthilfegruppe immer wieder.

 
Kai
14:12 – 14:32
Natürlich kann man als Eltern oder auch Kinder von Betroffenen, man kann den Kontakt abbrechen, wenn es gar nicht mehr geht. Das ist ja auch eine Art von Trennung. Und als Partner kann man sich nicht einfach trennen, wenn man auch in der Co-Abhängigkeit steckt. Und natürlich auch seinen unbewussten Nutzen aus der Beziehung zieht.

 
Kai
14:33 – 14:52
Also es ist leicht gesagt, aber nicht so leicht durchzuziehen. Und von daher war ich auch recht enttäuscht, dass ich da von der professionellen Seite gehört habe, ich soll mich doch einfach trennen. Das hat nicht geklappt, aber dann hat mir jemand gesagt, hast du es mal mit Selbsthilfe probiert? Und dann habe ich eine Selbsthilfegruppe gegründet, 2014 war das.

 
Kai
14:54 – 15:12
Ich habe bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle angerufen. Die haben mich da sehr unterstützt, um die Gruppe überhaupt ins Leben zu rufen. Weil ich auch einfach gehört hab, wenn du mit anderen darüber sprichst, die das auch mitmachen, das tut so gut, das hilft. Und dann findet man hier und da auch Lösungen.

 
Kai
15:12 – 15:33
Stimmt auch. Und wir hatten beim Gründungstreffen elf Leute da sitzen. Wo selbst die Selbsthilfe-Kontaktstelle gesagt hat, das ist sehr ungewöhnlich, normalerweise drei, vier. Und da habe ich auch erst mal gesehen, wie weit das verbreitet ist und man redet ja nicht immer mit jedem darüber oder fragt nach.

 
Kai
15:33 – 15:49
Ist natürlich auch immer sehr schambehaftet, wenn man sich nicht helfen kann und in Situationen steckt, die immer schwierig sind. Aber in der Selbsthilfe kann man halt offen darüber reden und bekommt auch Antworten und hat den Erfahrungsaustausch und das ist wirklich sehr viel wert.

 
Julia
15:52 – 16:02
Nur kurz eine Frage zur Vorgeschichte. Das heißt, du hast wirklich davor nicht einmal eine Selbsthilfegruppe besucht, sondern quasi direkt eine selbst gegründet, weil es keine gab.

 
Kai
16:02 – 16:14
Ich war vorher nie in einer Selbsthilfegruppe. Wusste gar nicht, wie das funktioniert. Aber bin dann so da reingerutscht und heilfroh, dass ich das gemacht habe. 2014 war die Gründung.

 
Kai
16:17 – 16:50
Und dann haben wir gesehen, als wir uns zu Corona-Zeiten nicht mehr live treffen konnten, haben wir das Ganze natürlich ins Internet verlegt, Onlinesitzungen gemacht. Und da kamen dann Leute aus ganz Deutschland, sogar aus dem Ausland dazu, weil die bei sich in der Gegend oder Gemeinde sowas nicht hatten. Keine Selbsthilfegruppe für Borderline-Angehörige. Und da habe ich mir gedacht, wenn der Bedarf so groß ist, und als ich das gesehen habe, aus ganz Deutschland kommen Leute dazu, Österreich, Schweiz, da müssen wir mehr machen.

 
Kai
16:50 – 17:19
Da kann man nicht nur Selbsthilfegruppen machen. Und da kam dann die Idee, einen Verein zu gründen. Das haben wir dann vor zwei Jahren gemacht, Zentrum für Borderline-Angehörige, das ZBA, und haben jetzt dadurch die Möglichkeit, auch Workshops anzubieten, Vorträge, Seminare zum Thema Angehörigkeit von Menschen mit Borderline. Also wir kümmern uns noch nicht, das wollen wir auch gerne noch machen, um Betroffene, sondern um die Angehörigen, die nämlich nicht so leicht, ich sag mal, Anschluss finden.

 
Kai
17:20 – 17:43
Es wird oft nicht gesehen, was es bedeutet, angehörig zu sein von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Viele Eltern und Partner sind selber in Therapie, haben Klinikaufenthalte hinter sich, sind mit dem Nerven am Ende und brauchen genauso Hilfe wie die Betroffenen.

 
Julia
17:44 – 18:11
Auf jeden Fall. Da würde ich dich nämlich dann einfach mal fragen, weil wir so viel von Selbsthilfe gesprochen haben und Selbstfürsorge, Selbstwirksamkeit, das sind ja heute auch die Themen. Grundsätzlich, was kann man machen, um sich selbst eben zu helfen, um sich selbst zu sichern in irgendeiner Form, sich was Gutes zu tun. Kannst du mal erklären, was Selbsthilfe, Selbstfürsorge, Selbstwirksamkeit eigentlich bedeutet?

 
Julia
18:11 – 18:14
Dass wir alle einmal abgeholt haben.

 
Kai
18:14 – 18:36
Ja, es gibt ja diesen schönen Spruch, wenn dir keiner mehr hilft, hilft dir selbst. Das ist dann die Selbsthilfe. Also, dass man mit Menschen in gleicher Situation sich austauschen kann, sich auch gegenseitig unterstützen kann. Nicht nur mit Tipps, sondern das sehen wir auch und freuen uns immer sehr, wenn aus den Treffen der Selbsthilfegruppen auch Freundschaften entstehen.

 
Kai
18:36 – 18:52
Die Leute tauschen dann untereinander die Handynummern aus, treffen sich. und können sich dadurch auch unterstützen. Und das ist das Schöne dabei. Selbstversorge habe ich das erste Mal erfahren von einer Teilnehmerin in der Selbsthilfegruppe ganz am Anfang.

 
Kai
18:52 – 19:03
Die hat gesagt, ich weiß, mein Mann hat Borderline, aber ich will mich nicht von ihm trennen. Ich will das mit ihm durchstehen. Aber Leute, kümmert euch um euch selbst. Geht mal einfach einen Kaffee trinken.

 
Kai
19:03 – 19:19
Es muss ja nicht lang sein, aber nicht sofort nach Hause. Nehmt euch eine Auszeit, trefft euch mit Leuten. Das habe ich mir zu Herzen genommen. Ich habe es gemacht und gemerkt, es tut mir gut, dass ich nicht sofort nach Hause gehe, sondern auch mal einen Kaffee trinke zwischendurch.

 
Nele
19:20 – 19:41
Ich würde jetzt nochmal eben kurz einen Schlenker machen zu deiner eigenen Geschichte. Nämlich wann war so der Moment, in dem du für dich gesagt hast, nun ich möchte jetzt aber nicht mehr mit dieser Person zusammen sein. Also ich kann nicht mehr damit leben und klarkommen. Ich ziehe jetzt für mich den Schlussstrich, weil ich damit eben nicht umgehen kann.

 
Kai
19:42 – 20:10
Das hat auch zu tun mit der Selbstwirksamkeit, was nämlich bedeutet, dass man die Verantwortung abgibt, auch wenn sie psychisch erkrankt sind. Die Menschen können etwas schaffen, die können etwas machen, die möchten das auch. Das heißt, ich muss nicht alles abnehmen, sondern ich gebe Verantwortung ab. Und ja, bei mir war das der Moment, weil, wie gesagt, mein Partner war immer zu Hause.

 
Kai
20:10 – 20:20
Er wollte aber auch immer Geld haben. Ich habe gesagt, wozu brauchst du Geld, Bargeld, wenn du nicht rausgehst? Ja, es kann ja sein, dass… Und er konnte sehr penetrant sein.

 
Kai
20:20 – 20:30
Das heißt, er hat mich dann nicht in Ruhe gelassen. Das ging dann noch nächtelang mit Diskussionen, mit Streits und so weiter. Und er brauchte Geld, er brauchte Geld. Es war zwei Uhr morgens.

 
Kai
20:32 – 20:38
Und ich wusste, er gibt nur Ruhe, wenn ich ihm Geld gebe. Ich hatte aber keins. Das heißt, ich musste zur Bank. Nachts um zwei.

 
Kai
20:38 – 20:59
Und dann kam das berühmte innere Stimmchen, das sagte, wenn du jetzt nicht gehst, dann schaffst du den Absprung nie. Das heißt, ich habe mich angezogen, das Portemonnaie genommen, ich habe meinen Rucksack gepackt, Wäsche für ein paar Tage eingepackt, das Nötigste, was ich brauchte, und er hat das gesehen. Er hat aber auch nicht gefragt, warum machst du das jetzt? Du gehst doch nur Geld holen.

 
Kai
21:00 – 21:33
Dann bin ich zum Bankautomaten gegangen, hab das Geld geholt. Er war mittlerweile eingeschlafen, dann hab ich ihm das Geld hingelegt und hab mich verabschiedet und bin nie wiedergekommen. Das heißt, ich bin dann morgens um drei erst mal zum Hauptbahnhof, hab dann Kaffee getrunken, gewartet, dass es Tag wird und hab dann eine Freundin gefragt, die mir das schon mal angeboten hatte, dass ich auch bei ihr eine Zeit lang bleiben könnte, ob das Angebot noch steht. Und dann bin ich am Nachmittag zu ihr gefahren und dann erstmal da ein paar Wochen geblieben, bis ich dann was eigenes hatte.

 
Nele
21:33 – 21:48
Gab es denn da den Versuch Kontakt aufzunehmen zu dir dann im Nachhinein durch deinen Ex-Partner oder war das dann wirklich vorbei sozusagen?

 
Kai
21:48 – 22:03
Natürlich gab es Versuche. Er hat gesagt, ich soll doch jetzt mit dem Blödsinn aufhören und wieder zurückkommen. Ich habe gesagt, ich komme nicht mehr zurück. Ich musste aber auch ein paar mal in die Wohnung wieder rein, weil ich natürlich auch Sachen hatte, mein ganzes Arbeitsmaterial und irgendwie brauchte ich auch noch mehr Wäsche.

 
Kai
22:03 – 22:24
Mit einer Hand voll Wäsche kommt man nicht weit. Da gab es die Versuche von ihm auch schon. Ich muss aber auch sagen, dass ich in meiner Situation, in der Co-Abhängigkeit, wo ich damals mich befand, musste ich auch hart an mir arbeiten, nicht doch zurückzugehen. Dann kamen nämlich die Gedanken, oh Gott, was macht er jetzt?

 
Kai
22:24 – 22:34
Wie kommt er jetzt über die Runden? Was ist, wenn das Geld ausgegeben ist? Wie kommt er an Neues und so weiter? Kann ich ihn überhaupt allein lassen?

 
Kai
22:34 – 22:54
Und da musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, was das bedeuten würde, wenn ich da jetzt wieder hingehe. Schlaflose Nächte, ganzen Tag arbeiten, keine Ruhe haben, nur Streit, nur Gebrülle. Und ja, wie gesagt, mein Leben, was ich aufgegeben hatte, wollte ich ja jetzt für mich zurückholen.

 
Kai
22:54 – 23:02
Und da musste ich mich aber wirklich immer wieder drauf besinnen, die erste Zeit. Dass ich absolut das Richtige tue, weil ich es jetzt für mich tue.

 
Julia
23:02 – 23:16
Ich denke, auch da hilft ja manchmal der Selbstwirksamkeitsgedanke. Also auch da zu sagen, er hat eben auch die Verantwortung sich selbst gegenüber. Die musst du ja nicht für ihn tragen. Das muss er halt auch ein Stück selber machen wollen und sollen.

 
Kai
23:16 – 23:31
Ja, und mir ist ja noch klar geworden, dass ich nicht das Opfer bin. Ich habe mich auch eine lange Zeit als Opfer dieser Beziehung gesehen. Und irgendwann habe ich auch gemerkt, mir geht mein eigenes Gejammer so auf die Nerven. Ich sage immer das Gleiche, oh Gott, das schon wieder und das.

 
Kai
23:31 – 23:42
Ich kann es nicht mehr hören. Und da habe ich dann auch gemerkt, ja, ich mache mich hier zum Opfer, ich bin es aber nicht. Und das kann man sich bewusst machen und dann kann man auch lernen, selbstwirksam zu werden.

 
Julia
23:44 – 24:09
Ganz wichtiges Learning glaube ich, also gerade für viele Angehörige. Also ich denke natürlich sind wir manchmal Opfer von gewissen Handlungen, leider. Aber es gibt immer oder sollte im besten Fall immer Wege auch daraus geben, für die man eben dann doch auch ein Stück weit selbstverantwortlich ist, so schwer das ist. Also ich verstehe auch gerade in deinem Fall, das klingt ja wirklich auch nach einer enormen emotionalen Belastung, die da einfach auch auf dich abgewälzt wurde irgendwie.

 
Julia
24:09 – 24:23
Und Drohungen und was weiß ich was. Also da muss ich sagen, das habe ich in der Form zum Glück zum Beispiel nicht erleben müssen. Das macht ja noch mal was ganz anderes, glaube ich, auch mit einem. Und da dann den Weg aber auch zu gehen und zu sagen, nein, ich bin für mich selbstverantwortlich.

 
Julia
24:23 – 24:34
Ich gehe jetzt hier weg und diese Person ist auch für sich selbstverantwortlich und muss jetzt eben dann auch mal gucken, wo sie bleibt. Muss vielleicht doch auch mal arbeiten gehen oder…

 
Kai
24:35 – 25:03
Ja und bei Borderline ist das ja auch das typische, was auch viele, nicht nur Partner und Partnerinnen erzählen, sondern auch Familienangehörige, es kommt zu einem Wutausbruch, es kommt zu Streit. Aber dann wird’s auch wieder schön. Also man versöhnt sich und das kann, das ist ja auch so das typische Switch von einer Minute zur anderen. Das heißt man hat den dicksten Streit und auf einmal ist doch wieder alles gut und dann wird es so gut, so schön und der nächste Streit, da wird immer eins draufgesetzt.

 
Kai
25:04 – 25:09
Also wird es immer schwieriger. Aber weil das immer so gradativ ist, kriegt man das gar nicht so richtig mit.

 
Nele
25:10 – 25:17
Ja, man weiß, es lohnt sich dann wieder, das Schlechte vielleicht auszuhalten, weil danach wird es wieder super gut und intensiv wahrscheinlich dann ja auch.

 
Kai
25:17 – 25:35
Und in dieser guten Phase, es ist unglaublich, wie sehr man vergisst, was vorher war. Wie groß der Streit war, wie heftig das war. Und ich meine, wie oft hatten wir nachts die Polizei, weil die Nachbarn wegen Ruhestörungen sich beschwert hatten. Wegen der lauten Schreierei.

 
Kai
25:35 – 25:48
Aber wenn es am nächsten Tag wieder gut ist, dann ist das super. Und dann hat man die Nacht auch vergessen und dass die Polizei da war. Man macht weiter und das ist wirklich so dieses hin- und her-switchen, da sind ganz viele Angehörige drin.

 
Nele
25:48 – 26:12
Was mich jetzt nochmal so interessieren würde, jetzt auch in Bezug auf die Erfahrung, die du jetzt in der Selbsthilfearbeit auch machst. Ist es so, dass viele von diesen Angehörigen, die da sind, damit versuchen, wirklich auch einen Umgang zu finden? Ist der Großteil eher so, dass er sagt, ich kann keinen Kontakt zu den Leuten halten, weil es einfach zu schwierig ist, es belastet mich zu sehr selbst?

 
Nele
26:12 – 26:18
Kann man da so eine Bilanz ziehen, wie das meistens so ist für Angehörige von Borderline-Erkrankten speziell?

 
Kai
26:19 – 26:56
Also in erster Linie kommen die Leute ja zu uns, weil sie so verzweifelt sind und keine Hilfe erfahren, weil es ja wirklich ein spezielles Gebiet ist, wie du gesagt hast. Es gibt einige, die versuchen, sich zu trennen, also in Partnerschaften, aber die meisten kommen doch, weil sie zusammenbleiben wollen und irgendwie mit der Situation lernen wollen, damit besser umzugehen. Es sind aber auch viele da, die Beziehungen hinter sich haben, aber das hat die so nachhaltig geprägt, das kriegt man nicht einfach so raus. Und da kann ich auch von mir reden.

 
Kai
26:56 – 27:14
Ich meine, 2016 war dann die Scheidung. Wir hatten eine eingetragene Lebenspartnerschaft, die wurde dann geschieden 2016. Damit habe ich aber auch nicht aufgehört, die Selbsthilfegruppen zu leiten. Ganz im Gegenteil, ich habe ja noch den Verein mitgegründet und initiiert.

 
Kai
27:14 – 27:32
Es lässt einen nicht los. Das ist schwer zu verarbeiten. Ich merke auch, dass ich mich mit vielen Sachen oder Dingen, die die Leute erzählen, auch noch identifizieren kann. Und mir fällt auf, bei der Vorstellungsrunde in der Selbsthilfegruppe muss ich manchmal sagen, ach übrigens, ich bin ja Ex-Partner.

 
Kai
27:32 – 28:06
Eigentlich habe ich ja gar nichts zu suchen, aber die Arbeit liegt mir am Herzen und weil ich weiß, was das mit einem macht und ich denke, man kann beschreiben, wie man es will, man muss es gefühlt haben. Also wie ich mich als Partner gefühlt habe, wünsche ich keinem und freue mich, wenn ich da helfen kann und sei es auch nur durch zuhören in der Selbsthilfe oder auch Erfahrungen auszutauschen. Und wie gesagt, mit dem Verein machen wir auch ganz viel Arbeit, dass die Leute in die Selbstwirksamkeit kommen und das für sich verarbeiten können. Also die Eindrücke sind wirklich sehr nachhaltig.

 
Julia
28:07 – 28:38
Kannst du da vielleicht mal ein bisschen mehr erzählen und wir ergänzen eventuell auch noch, weil man kennt halt so Selbsthilfegruppen und man kennt dieses, ja mal einen Kaffee für sich selber trinken, aber man kann ja noch so viel mehr tun als angehörige Person. Also man kann ja auf ganz verschiedenen Wegen selbst für Sorge und Selbsthilfe, Selbstwirksamkeit erfahren und erlernen und für sich umsetzen. Hast du da Beispiele, was ihr zum Beispiel noch im Verein so anbietet? Welche Erfahrungen du da gemacht hast, „von bis“ das so geht?

 
Kai
28:38 – 28:58
Also wir bieten Kurse und Seminare an und Vorträge auch, dass man sich selber mal reflektieren kann als Angehöriger. Was ich ja eben auch schon gesagt habe, es ist ja wichtig, die Verantwortung abzugeben. Bei Partnerschaften ist es wichtig, sich zu hinterfragen, warum komme ich da nicht raus? Also ich meine, es tut mir nicht gut, aber ich kann auch nicht ohne.

 
Kai
29:00 – 29:15
Da steckt ja was dahinter. Das ist die eigene Geschichte, die wird aber oftmals übersehen. Da lohnt es sich ,dann hinzugucken und durch die Kurse wollen wir das natürlich vermitteln. Wie kommt man an sich selbst dran, an seine Geschichte? Wie kann man kommunizieren lernen?

 
Kai
29:16 – 29:24
Gewaltfreie Kommunikation ist da auch ganz wichtig. Und wir bieten aber auch kreative Workshops an, wie zum Beispiel Theater.

 
Julia
29:24 – 29:25
Das war der Hund.

 
Kai
29:25 – 29:44
Theater, Impro oder Schreibwerkstätten, dass man sich auch mal auf Grundlage des Themas mit sich selbst auseinandersetzen kann. Und ja, bei Theater und Bewegung lernt man sich auch von der anderen Seite kennen. Beim Schreiben lässt man raus, was in einem steckt an Gedanken und Gefühlen.

 
Kai
29:45 – 30:04
Und das ist, finde ich, auch sehr wichtig, dass man sich auch nicht immer so fachlich gesehen mit dem Thema auseinandersetzt, sondern auch persönlich, kreativ. Denn man ist ja nicht nur die angehörige Person. Man ist ja auch das eigene Ich. Und das will ja auch gesehen und erlebt werden.

 
Julia
30:05 – 30:28
Ich glaube das ist ein ganz guter Punkt, da einfach mal zu sagen, Selbsthilfe ist eben nicht nur der klassische Stuhlkreis, obwohl ich von dem auch persönlich sehr viel halte. Also auch ich habe da ganz tolle Erfahrungen gemacht und möchte das nicht missen. Ich bin ganz fleißig seit fast zehn Jahren in meiner Selbsthilfegruppe und versuche auch immer noch regelmäßig hinzugehen. Aber dass man eben auch sieht, man kann auch kreativ das Ganze verarbeiten.

 
Julia
30:28 – 30:50
Man kann eben auch diese kleinen Steps gehen und sagen, nee, also ich gehe jetzt vielleicht nicht mehr jedes Mal ans Telefon, wenn die Person mich anruft. Ich nehme mir jetzt die Zeit morgens und trinke meinen Kaffee und die Person kann erst mal gucken, wo sie bleibt, irgendwie oder wie auch immer. Also Grenzen setzen im Allgemeinen hilft ja auch schon zu Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit. Auch einfach sozusagen bis hierhin und nicht weiter.

 
Julia
30:50 – 31:25
Also wenn du mir mit solchen Drohungen kommst, ist hier aber Ende oder wie auch immer. Also das mal so aufzuweisen, dass Angehörige, also dass alle Menschen verschiedene Möglichkeiten haben und gerade auch Angehörige sich damit noch mal anders auseinanderzusetzen. Also ich denke auch gerade das Kreative, was du angesprochen hast, ist, glaube ich, sehr hilfreich, ist ja so ein bisschen wie klassisches Tagebuchschreiben sogar manchmal, dass man einfach mal niederschreibt und dann denkt man einfach oder überdenkt nochmal Dinge, die passiert sind, den Blick da drauf, was hat das mit mir gemacht, was hätte ich für mich machen können.

 
Julia
31:25 – 32:09
Oder habe ich vielleicht auch gemacht, um daraus irgendeine Art des Learnings auch vielleicht zu ziehen, Step by Step damit weiterzukommen, sich da auch auszuprobieren, also da will ich auch immer zu anregen, dass ich denke, es gibt ja nicht nur Weg A, man kann ja auch einfach mal zehn Wege ausprobieren und vielleicht passt nur einer und vielleicht passen alle zehn und dann muss man nur gucken, wie man die alle zeitlich unterkriegt. Aber das finde ich immer so einen ganz netten Anreiz gerade für Angehörige, weil wir ja auch die Erfahrung machen als Bundesverband, dass sich viele eben nicht wirklich um sich selbst kümmern, weil die betroffene Person eben so wahnsinnig im Fokus steht. Und einfach mal diesen Fokus wieder auf sich zurückzulenken und einfach mal zu gucken, wie du sagst, diesen Klassiker Kaffee trinken oder so. Ja.

 
Kai
32:09 – 32:35
Und wo du das jetzt gerade angesprochen hast mit den Grenzen oder Grenzen zu ziehen, das ist total wichtig, besonders bei Borderline. Was natürlich auch ausgetestet wird, wenn man jetzt hier ein Limit setzt bis hierhin und nicht weiter. Dann wird es ausgetestet und es kommt natürlich zu heftigeren Reaktionen. Was man aber wissen muss, die Betroffenen möchten ja auch gerne wissen, kann ich mich darauf verlassen, auf das, was du jetzt gesagt hast.

 
Kai
32:35 – 32:55
Wird natürlich dann fehlinterpretiert, dass man denkt, okay, jetzt habe ich was gesagt, jetzt wird es noch schlimmer, dann lasse ich das wieder. Dann wird die Grenze, die gerade gesetzt wurde, wieder eingerissen. Das heißt, man ist keinen Schritt weitergekommen. Im Gegenteil, man hat der betroffenen Person nochmal gezeigt, ja, du kannst dich auf mich wirklich nicht verlassen.

 
Kai
32:55 – 33:05
Wenn ich sage, bis hierhin und nicht weiter, stimmt das nicht. Und das bringt so viel Unsicherheit. Sollte man wirklich vermeiden. Ich sage immer, Grenzen setzen, ist schwierig.

 
Kai
33:05 – 33:20
Man muss sich das gut überlegen, welche Grenze man setzen muss oder will. Und sich auch klar sein darüber, das wird jetzt ausgetestet, das heißt, ich muss die Kraft haben, dabei zu bleiben. Egal, wie es wird. Und das ist, was sich auch lohnt.

 
Kai
33:21 – 33:34
Es kann natürlich eine Zeit dauern, das heißt nicht, man setzt jetzt eine Grenze und dann ist das, morgen erledigt das Thema, ganz und gar nicht. Aber es lohnt sich für die Beziehung, für die betroffene Person auch, weil es einfach Halt gibt und Unterstützung.

 
Nele
33:35 – 33:57
Ich würde gerne an der Stelle nochmal auf dieses Thema Ex-Angehörig eingehen. Wir hatten das ja glaube ich zwischendurch mal kurz oder am Anfang. Du bist nicht mehr in dieser Beziehung seit einigen Jahren und leitest diese Selbsthilfegruppe, hast eben diesen Verein auch gegründet. Das hört anscheinend nie richtig auf, dass man sich angehörig fühlt.

 
Nele
33:58 – 34:15
Diese Erfahrungen, die man gemacht hat, die bleiben. Und dadurch entsteht dann ja vielleicht auch der Wunsch, das trotzdem auch an andere weiterzugeben und diese Arbeit weiterhin aufrechtzuerhalten, selbst wenn man eigentlich in keiner Beziehung mehr zu betroffenen Personen steht. Ist das richtig?

 
Kai
34:15 – 34:28
Ja. Also ich merke es bei mir. Klar, ich bin aus der Situation raus, aber das hat natürlich auch was mit mir gemacht. Ich hab das auch jahrelang noch, und heute ist das auch noch so, dass ich manchmal schlecht träume.

 
Kai
34:28 – 34:44
Das heißt, diese Situation immer noch verarbeite. Ich kann nicht sagen, dass das jetzt 100 Prozent raus ist bei mir. Also, mir geht’s gut, ja, ich kann damit umgehen. Aber trotzdem, Gedanken, Gefühle, Träume, die sind immer noch da.

 
Kai
34:44 – 35:04
Und ich weiß nicht, ob das irgendwann weggehen wird. Im Moment kann ich sagen, es stört mich nicht groß, und es behindert mich nicht, meinen Alltag auszuführen. Aber ich denke, wer als Partner oder Partnerin in so einer Beziehung war, der nimmt einiges davon mit. Und das ist das Bleibende dabei.

 
Kai
35:04 – 35:29
Und deshalb fühle ich mich auch als Ex-Angehöriger bei uns im Verein oder in der Selbsthilfegruppe auch nicht fehl am Platze. Ganz im Gegenteil, ich lerne immer noch dazu von den anderen auch und kann natürlich auch dann reflektieren, aha, hätte man so und so machen können. Und ich kann auch beitragen, was ich damals gemacht habe, wie es bei mir damals war in der Situation. Und von daher ist der Austausch immer noch gegeben, auf jeden Fall.

 
Julia
35:30 – 35:41
Das heißt, es hat dich wirklich, um es zusammenzufassen, sozusagen nachhaltig verändert als Mensch. Also diese Erfahrung der Angehörigkeit hat mit dir ja bis heute was gemacht.

 
Kai
35:41 – 35:42
Richtig.

 
Julia
35:42 – 36:03
Dann wäre meine letzte Frage, hat dich auch die Selbsthilfe und die Selbstwirksamkeit und all das, was wir eben besprochen haben, auch nachhaltig verändert? Also abgesehen von dem Angehörigendasein, sondern einfach Man lernt ja vielleicht auch so ein Stück weit was fürs Leben, sage ich mal. Was sind da so deine größten Learnings?

 
Kai
36:03 – 36:26
Also was ich beim ersten Treffen der Selbsthilfegruppe erlebt habe und was auch immer wieder von anderen Angehörigen zur Sprache gebracht wird, es tut so gut mit Leuten zusammenzusitzen, wo du nicht viel erklären musst. Du erzählst deine Geschichte und alle nicken, lächeln. Also man weiß, wovon man redet. Das ist ganz klasse und die Tatsache, dass man nicht allein ist.

 
Kai
36:26 – 36:44
Also das gibt so ein tolles Gefühl, weil man ja wirklich denkt, man steht allein mit diesem Problem auf der Welt. Dann kann man natürlich auch Bücher lesen, das ist auch immer ganz toll, wunderbar. Aber der menschliche Austausch, finde ich, der ist unbezahlbar. Das ist ganz klasse.

 
Kai
36:46 – 37:18
Ich habe tolle Menschen kennengelernt und lerne sie auch weiterhin noch kennen durch die Vereinsarbeit. Man reflektiert sich die ganze Zeit selber, man ist ja auch immer noch mit dem Thema in Kontakt. lernt immer noch dazu und auch wenn man mal an einen Punkt gekommen ist und denkt, so jetzt habe ich Borderline verstanden, jetzt weiß ich Bescheid, kommt immer noch jemand in die Selbsthilfegruppe, erzählt einen ganz neuen Aspekt und dann merkt man, okay, das wusste ich auch noch nicht. Also es ist ein ständiges Lernen, ein Geben und Nehmen, ein super Austausch und den möchte ich einfach nicht missen.

 
Kai
37:21 – 37:30
Und auch das Gefühl, ich muss nicht immer alles alleine machen, sondern ich kann es teilen. Ich kann was mit Leuten teilen und die können mir hier helfen, ich kann da helfen. Wunderbar.

 
Nele
37:31 – 38:01
Das ist, finde ich, auch eigentlich immer mit der schönste Aspekt dieser Selbsthilfe, dass man merkt, man ist nicht alleine damit. Auf einmal tauchen da Leute auf von dieser Gruppe und man merkt, oh, da gibt’s einige, die vielleicht Ähnliches erlebt haben wie ich. Und an der Stelle wollte ich dich noch mal fragen, Kai, hast du dich damals alleine damit gefühlt? Weil du ja schon sagtest, es gab Menschen, die darüber Bescheid wussten im Umfeld, die dir vielleicht auch versucht haben, den einen oder anderen mehr oder weniger guten Rat zu geben.

 
Nele
38:01 – 38:22
Aber du hattest ja dann wahrscheinlich nicht so viel Austausch mit anderen Betroffenen oder mit anderen Angehörigen so in dem Zusammenhang, sondern wahrscheinlich eher mit Leuten im Umfeld, die ja eben nicht so viel Ahnung wahrscheinlich auch von dem Thema hatten. Das heißt, war das schon vorherrschend, dieses sich damit sehr einsam fühlen und allein?

 
Kai
38:23 – 38:36
Absolut. Ja, auch wenn ich darüber geredet habe, ich konnte ja erst mal nur abladen, die ganze Last abladen. Und mir wurde zugehört, wie gesagt, und ich habe auch Unterstützung gekriegt. Mitgefühl, Empathie.

 
Kai
38:36 – 38:58
Aber letztendlich musste ich ja doch wieder zurück in die Wohnung, in diese Zweisamkeit, wo ich mich absolut gefangen gefühlt habe. Und auch wirklich zwischendurch mal so das Denken hatte, ich komme hier nie wieder raus. Das ist jetzt bis zum Rest deines Lebens, musst du so leben. Also ich habe gar nicht sehen können, dass es eine Lösung geben kann.

 
Kai
38:58 – 39:02
An dem Punkt war ich auch schon. Und da fühlt man sich sehr einsam. Auf jeden Fall.

 
Nele
39:06 – 39:37
Gibt es denn etwas, was du dir damals gewünscht hättest, als Angehöriger an dieser Situation, was Unterstützung angeht, was vielleicht auch Aufklärung angeht, Menschen, die dazu ermutigen, über diese Themen zu sprechen, weil, wie wir ja wissen, wird immer größer gemacht. Also Angehörige spielen eine immer größere Rolle und werden mehr gesehen. Aber das war ja nun auch noch nicht immer so. Wir sind auch noch längst nicht da, wo wir hinwollen.

 
Nele
39:37 – 39:44
Aber was hättest du dir damals gewünscht von der Gesellschaft und von Menschen in deinem Umfeld?

 
Kai
39:47 – 40:19
Mit dem Wissen von heute hätte ich mir damals gewünscht, dass mir mal jemand die Augen geöffnet hätte, also wo meine Verantwortung liegt, nicht immer nur mit Gefühl, sondern auch jetzt mach mal was, mach mal was für dich auch. Ja, das hätte ich mir gewünscht und da aber auch gleichzeitig einen Lösungsweg. Es ist ja auch leicht gesagt, wenn man sagt, guck doch mal, was ist dein Part an der ganzen Sache? Ja, und wenn ich das gemacht habe, erstens, vielleicht komme ich alleine gar nicht drauf.

 
Kai
40:19 – 40:43
Das heißt, da bräuchte ich eine Unterstützung, dass ich mich austauschen kann. Und danach, wenn ich jetzt das Wissen habe, wie geht es weiter, was mache ich damit? Und das ist, ja, was mir damals gefehlt hat. was wir aber auch durch die Vereinsarbeit jetzt aufarbeiten wollen, sozusagen, anbieten wollen. Denn ich denke, so wie es mir damals gegangen ist, geht es vielen anderen auch.

 
Julia
40:43 – 41:36
Das finde ich nochmal einen guten Schlusssatz, weil, wie wir mal wieder lernen, wir sind damit bestimmt nicht alleine, es kommt einem nur manchmal so vor. Und damit versuchen wir ja auch in diesem Podcast hier ein bisschen gegenzusteuern, indem du dankenswerterweise deine Erfahrung mit uns geteilt hast und wir können auch nur noch mal sagen, dass wir natürlich die Selbsthilfegruppe wie auch das ZBA in den Shownotes verlinken werden. Also wer da Interesse hat, Kai und seine Projekte besser kennenzulernen, sehr sehr gerne. Wir danken dir sehr, dass du da warst, dass wir dieses sehr inspirierende Gespräch führen konnten und auch nochmal festhalten, dass wir als Angehörige eben auch was für uns selber tun können, dass wir da in der Situation vielleicht doch manchmal gar nicht so gefangen sind, wie uns das an der einen oder anderen Stelle vorkommen mag und damit übergebe ich Nele den letzten Satz.

 
Nele
41:38 – 42:01
Ja, ich möchte auch nochmal erwähnen, wie toll und stark ich das finde, dass du da auch diese Erfahrung mit uns teilst in Bezug auf Partnerschaft. Weil ich glaube, das ist tatsächlich auch sehr tabuisiert, darüber zu sprechen. Gerade weil damit vielleicht auch oft so, naja, wie soll ich sagen, lapidar umgegangen wird. Man kann sich einfach trennen.

 
Nele
42:01 – 42:34
So, das ist ja der Satz, der jetzt hier auch schon gefallen ist, damit sieht man sich dann konfrontiert und es ist eben nicht so einfach. Und ich glaube, um das auch anderen näher zu bringen, die sich das hier anhören, ist das vielleicht auch ganz schön zu sehen. Ne, es ist eben nicht so einfach, es ist nicht nur das, man vollzieht eine Trennung und dann ist das Thema erledigt. Das steckt sehr, sehr viel hinter und ich freue mich sehr, dass du das mit uns geteilt hast und uns da auch so ein bisschen den Einblick gegeben hast in eine Beziehung und in eine Trennung von einer Person, die an Borderline erkrankt ist.

 
Kai
42:35 – 42:45
Und ich danke euch sehr für die Einladung, für die Gelegenheit, darüber zu erzählen. Ja, ein bisschen auch für die Angehörigen von Borderline-Erkrankten zu sprechen. Vielen Dank.

 
Julia
42:46 – 42:50
Sehr, sehr gerne. Und dann bis zum nächsten Mal. Tschüss. Tschüss.

 
Julia
42:54 – 43:08
Das war Unerhört Nah, der Podcast für Angehörige psychisch erkrankter Menschen. Dies ist ein Projekt des BAPK mit Unterstützung der Barmer Krankenkasse. Hört nächstes Mal wieder rein, wenn wir mit Menschen sprechen, die verdammt nah dran sind.

Der Podcast „Unerhört nah“ wird gefördert durch

#verdammtnahdran

Nach oben scrollen